Das Spiel muss rasch aus den Köpfen raus
Bundesliga: Gummersbacher Gala beim 35:22 über die Schwaben – Strobel: „Komisches Spiel“
Gummersbach, 15.03.2010 von Marcus Arndt
In der altehrwürdigen Eugen-Haas-Sporthalle in Gummersbach wollten die Schwaben neues Selbstvertrauen für das Kellerduell gegen die Weserstädter tanken. Daraus wurde nichts. Im Gegenteil: Beim Altmeister bekam der HBW eine Lehrstunde, kassierte die höchste Punktspielschlappe. „Wir müssen das Spiel schnell aus unseren Köpfen herausbekommen“, fordert HBW-Kapitän Wolfgang Strobel, der trotz der 22:35-Pleite einen Aufwärtstrend ausmachte. Zweckoptimismus? Nein! Da sind sich die Protagonisten auf und neben der Platte einig. „Deutlich besser als gegen Dormagen“, meinte Manager Benjamin Chatton. Trainer Dr. Rolf Brack ergänzte: „Die 5:1-Abwehr hat sich phasenweise gut verteidigt.“ Das gibt Hoffnung – zumindest ein wenig. Die diversen Defensivvarianten brachten den VfL allerdings nur kurzzeitig aus dem Konzept. „Irgendwie war es schon ein komisches Spiel“, bilanzierte Strobel, „ich hatte beim 5:10 noch das Gefühl: So weit sind wir gar nicht weg. . .“
In der Folgezeit gerieten die Balinger doch deutlich in Rückstand. Die Gründe sind simpel: Gummersbach machte die Tore und hatte einen überragenden Goran Stojanovic zwischen den Pfosten. Der Mazedonier mit fantastischen Paraden und der (Fast-)Balinger Adrian Pfahl mit Rückraum-Treffern am Fließband sorgten dafür, dass der HBW nach einer guten Anfangsphase nicht zurück ins Spiel fand – und das Handgelenk unter Druck wackelte. Der VfL hingegen strotzte nach den guten Leistungen der vergangenen Wochen vor Selbstbewusstsein und zeigte sich spiel- und einsatzfreudig. In der 20. Minute netzte Geoffroy Krantz nach Zrnic-Ecke gar per Kempa zum 12:5 ein. Und Blau-Weiß dominierte weiter Ball und Gegner: Adrian Wagner und Robert Gunnarsson erhöhten auf 14:6 (23.). Da Brack volles Risiko ging und früh den siebten Feldspieler brachte, sah sich Wagner dem Feldtorhüter Frank Ettwein, Gunnarsson gar einem leeren Kasten gegenüber. Zwei Versuche von Stojanovic, per Abwurf ins verwaiste HBW-Tor zu treffen, gingen allerdings daneben respektive an den Pfosten. „Wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben, nämlich aus einer stabilen Abwehr heraus vorne unsere Tore zu machen. Wir haben heute Balingen nie ins Spiel kommen lassen“, erklärte Pfahl.
Mit einem 3:0-Lauf kamen die Balinger in Hälfte eins noch einmal heran. Folgerichtig rüttelte Sead Hasanefendic seine Truppe in einer Extrabesprechung an der Seitenlinie wach. Drago Vukovic riss nun das Spiel an sich und lieferte einen lupenreinen Hattrick vom 15:9 zum 17:9-Zwischenstand ab, ehe Rock Feliho und Zrnic mit einem sehenswerten Dreher den 18:10-Pausenstand ins lange Eck besorgten. Nach dem Seitenwechsel baute der VfL sukzessive seinen Vorsprung aus und der siebenfache Torschütze Wagner resümierte: „Der HBW war ein sehr unbequemer Gegner, aber wir hatten immer eine Lösung parat. Mit dieser Leistung können wir optimistisch in die nächsten Wochen gehen.“ Während der VfL weiter auf Europa-Kurs ist, schlittert der HBW immer tiefer in die Krise. „Der Druck ist schon enorm“, verrät Strobel, der gegen Minden auf eine „volle Hütte“ hofft. Damit es gegen die Dankenser mit dem sechsten Saisonsieg klappt, wollen er und seine Kollegen im Training noch einmal zulegen.
