Ganz Albstadt närrisch befreit
Am „Schmotziga“ setzten sich die Narren wieder selbst an die Macht
Albstadt-Ebingen, 12.02.2010 von Holger Much
Hurra, die Narren sind los. Und seit gestern befindet sich Albstadt – nun ganz offiziell – in närrischer Hand. Die herrschende Klasse mußte sich, mit Humor und Augenzwinkern, dem Diktat der närrischen Anarchie beugen.
Während es in Ebingen Oberbürgermeister Dr. Jürgen Gneveckow und in Tailfingen Bürgerbüro-Chef Josef Ungermann mit erfahrener Gelassenheit über sich ergehen ließen, war es für die beiden Neuen, die Lautlinger Ortsvorsteherin Juliane Gärtner und den Margrethausener Ortsvorsteher Peter Katona natürlich schon etwas ungewohnt. Beide meisterten die Situation jedoch souverän.
Peter Katona ergab sich sozusagen gleich von selbst, besuchte die versammelte Schar der Runkelriabaweible in ihrem Domizil, dem „Stüble“ unweit des Ortsamtes, und übergab einen selbst gebackenen Schlüssel, sehr zur Freude von Oberweible und Zunftmeisterin Jessica Herfort.
In Lautlingen durfte sich Ortsvorsteherin Juliane Gärtner ebenfalls das erste Mal in Narrenhand begeben. Selbst frühlingshaft verkleidet übergab die Lautlinger Prinzessin den Schlüssel an den Chef der Kübele-Hannes-Zunft, Heiko Peter Melle. Auch sie hat nun, genauso wie Peter Katona, bis Aschermittwoch nichts mehr zu melden. In Tailfingen stürmten die Schmiechataler wie gewohnt stilvoll und mit Würde das Bürgerbüro unter den Klängen der Schmiechafetzer. Josef Ungermann hatte schon seinen Schlüssel parat, den er dem Schmiechataler-Präsidenten Marcus Lanz und dem Prinzenpaar übergab. Mit dabei diesmal: Das Prinzenpaar in der Gestalt von Haydee I und Tobias I., das würdevoll der Entmachtung beiwohnte.
In Ebingen ging es Oberbürgermeister Dr. Jürgen Gneveckow an den Kragen und an die Krawatte. Schließlich heißt der „Schmotzige“ auch Weiberfasnet. Da vergreifen sich die Damen eben traditionsgemäß mit der Schere an den Herren. Natürlich durfte hier das Narrengericht mit Günter Mogdans, Zunftmeister der Schlossbergturmnarren, und Matthias Schwarz, Chef der Narrenzunft Alt Ebingen, nicht fehlen. Das kommunale Geschehen wurde mit närrischer Schärfe kommentiert.
Dabei kam natürlich auch die finanzielle Situation der Stadt und die Umgestaltung der City zur Sprache: „Über Albstadt kreist der Pleitegeier, in der Stadtkasse liegen nur noch faule Eier. Die Haushaltlage sei fatal, doch uns Narren ist das so ziemlich egal“, reimte Mogdans und streifte auch die Feuerwehr mit deftigen Worten in Richtung Führungsebene.
