Kurzarbeit fängt auf

Krise am Arbeitsmarkt ist kleiner als befürchtet

Zollernalbkreis, 10.02.2010 von Klaus Irion

Die Krise am Arbeitsmarkt im Zollernalbkreis existiert, ist aber insgesamt (noch) kleiner als befürchtet. Das ist die Kernbotschaft des Jahresberichts der Agentur für Arbeit Balingen.

Das Jahr 2009 wird als wirtschaftliches Krisenjahr in die Geschichte der Bundesrepublik eingehen. Ein Indikator dafür sind die Jahresberichte der der Arbeitsagenturen. Die Arbeitsagentur Balingen macht da keine Ausnahme. Im Durchschnitt 5,7 Prozent Arbeitslose registrierte sie für den Zollernalbkreis im vergangenen Jahr. Und steht damit im Vergleich zu der Zahl im Bund (8,2 Prozent) noch vergleichsweise gut da. „Man darf aber nicht vergessen, dass die prozentuale Steigerung bei der Zahl der Arbeitslosen von 2008 zu 2009 bundesweit um 0,4 Prozent, im Zollernalbkreis aber um 1,1 Prozent gestiegen ist“, sagt Hans-Josef Baum, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Das relativiere die auf den ersten Blick positiveren Zahlen vor Ort.

Baum erklärte bei der gestrigen Veröffentlichung der Zahlen aber auch, „dass wir uns auf den schlimmsten anzunehmenden Fall vorbereitet hatten“. Sprich, eine noch wesentlich höhere Zahl an zu betreuenden Arbeitssuchenden prognostiziert worden war. Dass es dazu nicht gekommen sei, liegt laut Baum unter anderem an der von den Betrieben ausgiebig genutzten Möglichkeit der Kurzarbeit. „Dadurch sind rund 1900 Arbeitnehmer im Kreis nicht in in die Erwerbslosigkeit entlassen worden.“ Allerdings könne sich diese Zahl bald schon noch ändern, wenn die inzwischen bis zu 24 Monate mögliche Kurzarbeit auslaufe, die konjunkturelle Erholung aber noch nicht auf den Arbeitsmarkt durchschlage. „Immerhin haben viele Betriebe im Landkreis die Kurzarbeit genutzt, um ihre Mitarbeiter weiterzubilden“.

Das tut nach Meinung der Arbeitsagentur-Verantwortlichen auch Not. Schließlich sei der Zollernalbkreis noch deutlicher als andere Landkreise von der verarbeitenden Industrie geprägt und deswegen auch überdurchschnittlich von der Wirtschaftskrise gebeutelt. Das habe 2009 in hohem Maße Männer betroffen. Dass die Frauen nach wie vor die höhere Zahl an Arbeitslosen im Kreis stellen, „ist kein Widerspruch“, erklärt der Arbeitsagentur-Chef. Denn bei den weiblichen Erwerbstätigen sei die Zahl der Geringqualifizierten im Vergleich zu anderen Kreisen höher, die der Hochqualifizierten – beispielsweise der Hochschul-Absolventinnen – geringer. Und so lag die Zahl der arbeitslosen Frauen im Jahr 2009 bei durchschnittlich 6,0 Prozent. Der Landesschnitt weist 5,0 Prozent auf.

Dem allgemeinen Abwärtstrend zum Trotz – „dieser hält mit einigen kleinen Wellen seit Anfang der 1990er Jahre an“ – gibt es im Kreis auch etwas Licht am Ende des Tunnels. So seien Zeitarbeitsfirmen zumeist die ersten, an denen sich Hochs und Tiefs ablesen lassen. „Derzeit kommt wieder etwas Bewegung in die Branche, allerdings auf einem ganz niedrigen Niveau“, so Baum. Die Nachfrage nach Fachkräften sei dagegen immer noch groß, wenngleich durch die Kurzarbeits-Weiterbildungsmaßnahmen etwas gemildert.

Nicht zuletzt sieht die Agentur sich aber auch selbst als Motor auf dem Weg zu mehr Beschäftigung. Man habe insgesamt 130 Millionen Euro für passive und aktive Maßnahmen aus dem Bereich der Arbeitslosenversicherung eingesetzt und damit „die Lage im Zollernalbkreis stabilisiert“. Wie es in diesem Jahr weitergeht, wagt Baum kaum zu prognostizieren. Nur soviel: Der Arbeitsmarkt hänge konjunkturellen Entwicklungen immer hinterher.

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