Immer weniger Bewerber für Lehrstellen

Wirtschaftskrise wirkt sich 2009 kaum auf den regionalen Ausbildungsmarkt aus

Zollernalbkreis, 30.01.2010 von Daniel Seeburger

Die Zukunft für angehende Auszubildende könnte rosig aussehen – für die Ausbildungsbetriebe weniger. Denn es gibt immer weniger Bewerber für die angebotenen Ausbildungsplätze.

Die Bilanz der regionalen Lehrstelleninitiative Neckar-Alb birgt einige Überraschungen. Im vergangenen Jahr gab es in der Region einen fast ausgeglichenen Ausbildungsmarkt, erklärte gestern Hans-Josef Baum, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Balingen. Trotz der Wirtschaftskrise gab es im vergangenen Jahr für die 1734 angebotenen Ausbildungsstellen nur noch 1810 Bewerber. 2008 gab es im Vergleich noch 1755 Ausbildungsplätze, auf die sich 2155 junge Menschen beworben hatten. Im Zollernalbkreis ist die Bilanz noch besser. Hier gab es 1072 Bewerber auf 1068 Stellen. „Die Konjunkturkrise hat den Ausbildungsmarkt noch nicht spürbar erfasst“, so Hans-Josef Baum.

Die IHK verzeichnete 5,7 Prozent weniger Ausbildungsverträge gegenüber dem Rekordjahr 2008. Vor allem der Zollernalbkreis habe mit einem Minus von 9,5 Prozent überdurchschnittlich verloren, führte Walter Hermann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Reutlingen gestern in der Balinger Agentur für Arbeit aus. Die wirtschaftliche Situation habe zwar Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt - diese seien aber lange nicht so stark wie befürchtet, erklärte Hermann. Er erwarte ein ausgeglichenes Jahr 2010. Schon jetzt gebe es in der regionalen Industrie rund 400 Ausbildungsplätze, erklärte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Reutlinger IHK.

Auch das Handwerk habe bei der Ausbildung der Wirtschaftskrise getrotzt, erläuterte Karl-Heinz Goller, Abteilungsleiter Ausbildung bei der Handwerkskammer Reutlingen. Zwar gingen im vergangenen Jahr die neu abgeschlossenen Berufsausbildungsverhältnisse um 5,1 Prozent zurück. Trotzdem machten die Handwerksbetriebe auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten keine Abstriche bei der Ausbildung. Positiv vermerkte er, dass im vergangenen Jahr 256 Handwerksbetriebe hinzugekommen seien, die erstmals oder nach längerer Pause wieder Lehrstellen angeboten hätten.

Goller wies aber auf die über 500 freien Ausbildungsplätze hin, die es jetzt schon für das laufende Jahr im Handwerk gibt. Erstmalig hätten Ausbildungsbetriebe sogar schon für das Jahr 2011 rund 400 freie Lehrstellen angemeldet. Damit werde auch im Handwerk nicht mehr nur kurzfristig geplant. Durch den demografischen Wandel „können nicht mehr genügend Jugendliche für das Handwerk gewonnen werden“, befürchtete der Abteilungsleiter Ausbildung. Für die Handwerksbetriebe sie es in den kommenden Jahren „richtig schwer, ausreichend Bewerber zu bekommen“.

„Der demografische Wandel ist schon da“, pflichtete ihm Walter Hermann von der IHK bei und rief die jungen Schulabgänger dazu auf, sich frühzeitig zu bewerben. „Es gibt Stellen“, so Hermann, „bewerbt euch und wartet nicht zu lange“.

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