"Notfalls gehen wir auf die Straße"
Die Beschäftigten wollen um ihre Arbeitsplätze kämpfen - Insolvenzverfahren
Burladingen, 17.07.2000
Überrascht, schockiert, verunsichert, aber auch kampfesmutig reagieren die Beschäftigten von Ambrosius Heim auf die Hiobsbotschaft, dass über ihr Unternehmen das Insolvenzverfahren eingeleitet worden ist.
"Wir werden alles in Bewegung setzen, um die Arbeitsplätze zu erhalten", erklärte der Albstädter Gewerkschaftssekretär Karl Schneider nach ersten Gesprächen mit dem Betriebsrat. "Wenn es nötig ist, tragen wir unsere Forderungen auch auf die Straße". Seine Arbeit im Betrieb aufgenommen hat gestern auch der zum Insolvenzverwalter bestellte Jürgen Sulz aus Reutlingen.
Einen ersten, kleinen Erfolg haben die gemeinsamen Bemühungen von IG Metall und Betriebsrat schon gezeigt: "Die Löhne für den Juni sind gesichert. Die werden von der Bank vorgeschossen", erklärte Gewerkschaftssekretär Karl Schneider. Aber was ist das schon angesichts der Tragweite der Nachricht, die am Mittwoch Abend wie ein Lauffeuer die Runde durch Burladingen machte; Ambrosius Heim steht im Insolvenzverfahren, 250 bis 300 Arbeitsplätze (so genau weiß das keiner) sind akut bedroht. "Wenn die wegfielen, wäre das eine Katastrophe für ganz Burladingen", sagt Karl Schneider.
Der Mann von der IG Metall ist mit den Betriebsräten durch die Fabrik gegangen und hat den Kollegen in die Augen gesehen. Sein Eindruck: "Die Ängste sind nicht nur spürbar, sondern auch sichtbar."
Für den Gewerkschaftssekretär steht fest: "Die IG Metall wird das nicht einfach so hinnehmen. Wir werden alles in Bewegung setzen, um die Arbeitsplätze zu erhalten."
Für den Gewerkschaftssekretär steht fest: "Die IG Metall wird das nicht einfach so hinnehmen. Wir werden alles in Bewegung setzen, um die Arbeitsplätze zu erhalten." Kein Gedanke daran, jetzt schon über einen Sozialplan zu verhandeln. Für Karl Schneider geht's darum herauszufinden, was getan werden kann, um die Firma Ambrosius Heim am Leben zu erhalten. "Da", so betont er, "dürfen sich auch die Banken nicht aus der Verantwortung stehlen". Und wenn es nötig sei, Druck auf die potenziellen Kreditgeber auszuüben, "werden wir uns auch nicht scheuen, unsere Forderungen auf die Straße zu tragen und mit der Belegschaft vor den Banken aufzumarschieren."
Schneider nimmt in diesem Prozess auch die Stadt und die Landespolitiker in die Pflicht. "Die dürfen jetzt nicht locker lassen." Bürgermeister Harry Ebert nimmt derweil für sich in Anspruch, unverzüglich reagiert zu haben. Sofort nach Bekanntwerden der schlechten Nachrichten aus dem Hause Heim habe er mit Geschäftsführer Peter Oberwemmer telefoniert, "um so sondieren, was die Stadt in der derzeitigen Situation tun könne", heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Auch mit den beiden Landtagsabgeordneten Dr. Mauz und Dr. Glück habe er sich "sofort in Verbindung gesetzt". Oberwemmer, so verlautet aus dem Rathaus, habe jedoch gesagt, "dass momentan nichts getan werden könne - auch vor dem Hintergrund, dass das Land bereits einmal für die Firma mit einem ganz erheblichen Betrag in die Bresche gesprungen sei."
Im Übrigen hat sich Ebert die aus dem Haus Abbrosius Heim am Mittwoch Abend verlautbarte Hoffnungsformel zu eigen gemacht. Er hoffe, so lässt Ebert wissen, "dass sich eine Auffanglösung ergibt und ein Großteil der Arbeitsplätze erhalten bleiben kann."
Was die Heim-Geschäftsleitung mit dieser "Auffanglösung" eint, das war gestern sowohl der IG Metall als auch dem Betriebsrat völlig schleierhaft. Gewerkschaftssekretär Schneider hofft in diesem Zusammenhang auf die Gespräche, die in den nächsten Tagen geführt werden, insbesondere auf den kommenden Mittwoch, auf den eine Runde zwischen Geschäftsleitung, Insolvenzverwalter, Betriebsrat, Gewerkschaft und Arbeitsamt einberufen ist. "Da wird Tacheles geredet", sagt Schneider. "Bis dahin erwarten wir ganz konkrete Aussagen." Die Beschäftigten, so meint Schneider, seien in diesem Prozess wie schon in der Vergangenheit bereit, das Ihrige zur Rettung des Unternehmens und der Arbeitsplätze beizutragen.
Die Geschäftsleitung hatte die Beantragung des Insolvenzverfahrens damit begründet, dass die Banken einen für die nächsten drei Monate benötigten "Saisonkredit" verweigert haben. Der Umsatzrückgang "im Segment des Facheinzelhandels" in Verbindung mit gestiegenen Kosten im Bereich der Material- und Kapitalbeschaffung habe das Unternehmen "in die Verlustzone" bis hin zur "drohenden Zahlungsunfähigkeit" gebracht.
