"Das BYH ist wie ein kleiner Urlaub"
11. "Bang Your Head!!!" startet bei hochsommerlichen Temperaturen
Balingen, 24.06.2006 von Frank D. Engelhardt
Alles ganz locker - ein Satz, den man gestern nicht nur einmal zu hören bekam. Während die ersten Headbanger bereits um 10 Uhr zu den Klängen von "Hellfueled" abgingen, bereiteten sich viele Musikfreunde auf den Campingplätzen noch ganz gemütlich auf einen langen Festivaltag vor.
Stress? Nein, danke! Das Balinger Open Air hat sich über die Jahre hinweg einen ganz besonderen Ruf erarbeitet. Hier treffen sich Freunde aus aller Welt, um ein paar schöne Stunden bei bester Metal- und Rock-Musik zu verbringen. Der Alltag soll draußen bleiben, und mit ihm die üblichen Stimmungskiller. Die Atmosphäre auf dem Messegelände und darum herum ist deshalb betont locker, viele sind mittlerweile wahre BYH-Stammgäste."So manches Freiluft-Event ist einfach viel zu groß und anonym", meint Ralf aus Friedrichshafen. Zusammen mit 25 anderen Metal-Freaks ist er jedes Jahr seit 1999 in Balingen am Start. Warum? Die kurzen Wege von den Camping- und Parkplätzen zum Festivalgelände mache es einem einfach, seine Lieblingsbands zu sehen, erklärt er. Zwischendurch bleibe dann genügend Zeit, um sich auf dem Festivalgelände umzuschauen oder sich ein wenig auf dem Campingplatz auszuruhen. "Das abwechslungreiche Billing sorgt außerdem für ein sehr gemischtes Publikum. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei, ob jung oder alt, das ist einfach toll", betont der Friedrichshafener, der sich besonders auf "Pretty Maids" und "Whitesnake" freut. Beide Bands stehen heute auf der Bühne.
Die relaxte Stimmung ist auch der Grund, wieso eine Gruppe aus Lechfeld seit dem ersten Metal-Open-Air an den Fuß der Schwäbischen Alb kommt. "Es ist immer sehr friedlich hier, und auch der Preis ist angemessen", meinen die Bayern. "Die Stimmung auf dem Balinger Festival ist einfach nur megageil", ergänzt der Dortmunder Rockfan Björn und versichert: "Das BYH ist wie ein kleiner Urlaub." Mit dieser Meinung steht er sicher nicht allein.
Einen deutlich weiteren Anfahrtsweg haben Shiro und Noriko auf sich genommen. Die beiden Metal-Fans sind extra wegen der Gruppe "Raven" aus Japan angereist. Schön dass sie ihre Stars gleich zweimal erleben konnten, und zwar beim Warm up am Donnerstagabend im Hechinger WOM und gestern auf der großen Festival-Bühne.
Aber auch hiesige Fans schätzen das Balinger Flair. Für Tobias, Marcus, Stefan und Fabienne ist es Ehrensache beim Open Air dabei zu sein. "Wir feiern hier zwei Tage lang durch", erklären die vier, die dafür auch gerne Übernachtungen im Auto auf sich nehmen. "Und hier sieht man endlich mal ganz normale Leute", sagt Stefan. Mit "Helloween" und "Stratovarius" stehen zwei Combos mit mächtig Dampf ganz oben auf ihrer Favoritenliste.
Wie bereits angekündigt war die Polizei bereits vor Festivalbeginn stark präsent, die Beamten mussten aber nur selten eingreifen. In der Nacht zum Freitag kam es an einer Balinger Tankstelle zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen zwei Besuchern des Festivals. Nach einem Faustschlag ins Gesicht des Geschädigten konnte der Täter unerkannt flüchten. Kurz vor drei Uhr stellte eine Polizeistreife einen unter Alkoholeinfluss stehenden 19-Jährigen, der ein Werbebanner entwendet hatte.
Bei Anfahrtskontrollen durch die Verkehrspolizei am späten Donnerstagnachmittag stellten die Beamten eine 24-jährige Autofahrerin aus dem Landkreis Reutlingen und einen 28-jährigen Pkw-Lenker aus dem Kreis Tübingen fest, die ihre Fahrzeuge unter dem Einfluss von Rauschgift lenkten. Blutproben und Untersagung der Weiterfahrt waren die Folgen. Ein junger Mann aus einem Nachbarkreis führte in seinem Gepäck gar eine Schreckschusswaffe ohne den erforderlichen "kleinen Waffenschein" mit. Auch er gelangt zur Anzeige.
Einiges zu tun hatte bereits das DRK. Insgesamt 60 Hilfeleistungen registrierte die DRK-Einsatzleitung bis zum späten Freitagnachmittag. In der Nacht auf Freitag registrierten die Verantwortlichen lediglich 15 Hilfeleistungen, gestern waren die Helfer mit 45 Hilfeleistungen doch kräftig gefordert. Neben den üblichen Verletzungen wie Schnittwunden, Frakturen und Verstauchungen machte insbesondere die Hitze am Nachmittag einigen Festivalbesuchern Probleme. Von den insgesamt 60 Hilfeleistungen waren in neun Fällen weitergehende Untersuchungen in der Kreisklinik notwendig. Angesichts des schwülen Wetters erwartet das DRK weiter steigende Einsatzzahlen.
