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Sechstes Balinger Bang Your Head - Bilderbuch-Festival

Balingen, 28.06.2004 von Roland Beck

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Party von Donnerstag bis Sonntag, internationale Spitzenbands am Freitag und Samstag mit jeweils 20 000 Fans, familiäre Stimmung, keine ernsten Zwischenfälle und ideales Wetter: Das neunte Bang Your Head (zum sechsten Mal in Balingen) war ein Bilderbuch-Festival.
Es ist die Musik der etwas härteren und für viele Anwohner sicherlich ungewohnten Gangart, die alljährlich zigtausende Headbanger nach Balingen zieht. Allerdings schätzen die Open-Air-Gäste und mittlerweile auch die meisten Einheimischen die besonders lockere und familiäre Atmosphäre. Weder Polizei noch Feuerwehr oder DRK hatten ernsthafte Einsätze.

Nicht nur durch ihre Friedfertigkeit bewiesen die Headbanger ein großes Herz. Unerwartet profitiert vom Bang Your Head-Festival hat nämlich auch der Balinger Verein Feuervogel. Der Calwer Metal-Fan Michael Ziegler und seine Freunde gaben vergangenes Jahr spontan ihr selbst gefertigtes Bang Your Head-Monster (zwei auf zwei Meter, signiert von zahlreichen Metal-Bands und Fans) zur Versteigerung im Internet frei. Harald Richter aus München bekam bei 400 Euro den Zuschlag. Festival-Chef Horst Odermatt stockte den Betrag dann noch auf 500 Euro auf, den Feuervogel-Mitarbeiterin Petra Bender auf der Bühne entgegen nahm.

Als einer der ersten großen Freitags-Acts betrat Blaze Bayley die Bühne. Nach fünf Jahren als Sänger des Heavy-Metal-Flaggschiffes "Iron Maiden" dürfte der Brite den meisten kein Unbekannter mehr sein und hat sich durch sein recht erfolgreiches Soloprojekt durchaus für die Hauptbühne qualifiziert.

Knapp zwei Stunden später dann wurde durch die New Yorker Thrash-Metal-Formation "Anthrax" das Tempo noch etwas verschärft. Alte Klassiker der frühen 80er Jahre wie etwa "Indians" zeigten, dass der Albumname "Among The Living" auch durchaus für Live-Qualität bürgen kann. Mit der nächsten Formation, den finnischen "Children of Bodom", änderte sich der Musikstil ein weiteres Mal. Obwohl die Riffs bretthart und mit schier brachialer Gewalt in die Menge geprügelt wurden, waren die eindrucksvollen Melodien durch die technische Versiertheit der Band dennoch deutlich vernehmbar.

Kurz nach 21 Uhr dann erschien eine der bekanntesten Szenegestalten auf der Bühne. Vincent Damon Furnier, besser bekannt als Alice Cooper. Die lebende Legende versammelte etliche Tausend begeisterter Fans auf dem Messegelände. War seine Show anfangs noch weit von dem entfernt, was in seinen jüngeren Tagen zu sehen war, so wechselte sein Auftritt nach der halben Spielzeit von einem Konzert zu einem Theaterstück. Dabei musste die Musik hinter der Show zurückstecken - zum Leidwesen der Fans. Trotzdem war sein Auftritt sehenswert, nicht zuletzt dank der Tanzeinlage von Coopers Tochter, die zuletzt seinem Degen zum Opfer fiel, worauf sich eine größere Menge Kunstblut über die Bühne ergoss.

Den Festival-Samstag eröffneten "Majesty" - hoffnungsvolle Newcomer der deutschen Szene, auch als die "deutsche Antwort auf Manowar" bekannt.

Gegen 15 Uhr gab es mit "Death Angel" eine deftige Portion Metal der härtesten, schnellsten und brutalsten Art des diesjährigen Festivals. Wie ihre namhaften Kollegen "Metallica", "Exodus" oder "Slayer" stammen auch sie aus San-Francisco. Gitarrenriffs wie ein Gewitter, das Schlagzeug wie ein Maschinengewehr und ein Bass, den man noch mehr in den Knochen spürt als dass man ihn hört. Unbegreiflich, wie es die Musiker dennoch schaffen, souverän und perfekt im Takt zu bleiben und zudem noch ihre Bühnenshow der Musik anzugleichen. Die einzige Band, die sich in Punkto Härte mit "Death Angel" hatte messen können, war das 20 Jahre alte Urgestein "Testament". Aufgrund eines etwas verspäteten Auftrittes der Band und des ohnehin knappen Zeitplans, musste die Band schon nach der halben Zeit abbrechen.

Den Höhepunkt am Samstag markierten "Iced Earth" mit Tim "The Ripper" Owens. Schon 2001 war "The Ripper" mit "Judas Priest" in Balingen mehr als deutlich zu hören - kaum ein anderer Sänger verfügt über ähnliches Volumen und Ausdruck in der Stimme. Und obwohl sich der alte und der neue Sänger bei "Iced Earth" in der Art ihrer Schreitechniken so weit von einander unterscheiden, dass ein direkter Vergleich wohl kaum möglich ist, so dürften nichts desto trotz auch alt eingesessene Fans von "Iced Earth" von ihrem diesjährigen Auftritt begeistert gewesen sein.

Im kommenden Jahr feiert das Bang Your Head sein zehnjähriges Bestehen (dann zum siebten Mal in Balingen) - mit von der Partie voraussichtlich "Twisted Sister", "Motörhead" und "Doro". Wie Festival-Macher Horst Odermatt gegen Ende des diesjährigen Open Airs dem ZOLLERN-ALB-KURIER mitteilte, könnte das Jubiläums-BYH auch das letzte sein. "Es ist bis jetzt nur so ein Gedanke, also nichts Definitives", betont der BYH-Chef. Begründung: "Das Festival läuft mittlerweile so perfekt, dass man es einfach nicht mehr besser machen kann. Ich befürchte, das Open Air könnte zu groß werden und damit seinen eigenen Flair verlieren. Es soll auf keinen Fall zu einer rein kommerziellen Großveranstaltung werden. Es geht mir nicht ums Geld, sondern um den Spaß. Und wenn es am meisten Spaß macht, soll man ja bekanntlich aufhören", erklärt Odermatt und betont nochmal: "Nur so ein Gedanke, es steht noch nichts definitiv fest."
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