Wer die Vorteile nutzt, soll sie auch bezahlen

Der Unternehmer mit der weissen Weste

Burladingen, 19.05.2003 von gelöscht

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Der Burladinger Textilunternehmer Wolfgang Grupp ist einer der bekanntesten Unternehmer Deutschlands. Das ist nicht nur die Folge eines griffigen Werbespots vor der Tagesschau, in dem der Unternehmer und ein Affe für das eigene Produkt und für den deutschen Arbeitsplatz gerade stehen. Sein Wirtschafts-Credo: "Unternehmerhaftung", sein Feldzug gegen legale "Steuerflucht" und sein Plädoyer für gerechte Steuerverteilung haben ihn in die deutschen Talkshows gebracht
. Ganz Deutschland sah ihn in "Berlin Mitte" mit Maybrit Illner talken und kürzlich sah und hörte man ihn sogar bei Sabine Christiansen; er setzt sich durch im illustren Kreis der großen Prominenz aus Politik und Wirtschaft. Ja, des öfteren hat man den Eindruck, als bekäme der "Mann aus der Provinz" den kräftigsten Beifall, weil er deutlich sagt, wie nach seiner Sicht der Dinge die deutsche Wirtschaft aus ihrem Desaster herausfinden könnte.

Diese Sicht ist allerdings nicht überall konform. Wolfgang Grupp bekennt ganz offen, dass ihm und seinen Ansichten die Sympathie von Regierungs- und sogar Gewerkschafts-Seite her derzeit eher zugehen als die seiner eigenen Partei CDU. Weil er mit seinen zwei "Steckenpferden" nicht nur Unternehmerkollegen Ärger bereitet.

Das erste: Er geißelt seit jeher die Lücken einer Gesetzgebung, die den größten und zahlungskräftigsten Unternehmensriesen in Deutschland den ganz legalen Weg ins Ausland ebnen. Damit gehen dem Staatssäckel jährlich Milliardenbeträge flöten. Für ihn ist ein System weder sinnvoll noch tragbar, in dem einer nur die Vorteile nutzen kann, nicht aber dafür zahlt. Indem er die komfortable deutsche Infrastruktur für sich und seine Familie nutzt und die mit deutschem Qualitätsknowhow angefüllten Denkfabriken am Wirtschaftsstandort Deutschland belässt, aber die am teuren Arbeitsplatz Deutschland nicht mehr rentable Produktion ins billigere Ausland verlagert. "Sowas nenne ich Abzocke".

Der zweite Mißstand, der ihn noch mehr zur Weißglut bringt: In Deutschland gibt es keine Unternehmerhaftung. "Wer für das Wohl und Wehe seines Unternehmens mit dem eigenen Kapital finanziell gerade stehen muss, fällt andere Entscheidungen, sagt er. Verantwortungsbewusstere. Manager, die nur unter dem Gesichtspunkt von Aktienkursen ihre Firmen führen und - wenn sie sie dann an die Wand gefahren haben, Millionen-Abfindungen abkassieren, sind für ihn ein Gräuel. "Es gilt nicht nur für Arbeitnehmer: Wer seine Leistung nicht bringt, kann dafür nicht belohnt werden". Und auch hier der Leistungsgedanke: " Ein Staat muss mit Steuererleichterungen diejenigen stützen, die für ihn Leistung erbringen, indem sie Arbeitsplätze vor Ort schaffen und sichern.

Diese Forderungen eines Textilunternehmers, bei dem 1200 Mitarbeiter am Standort Deutschland in Lohn und Brot stehen, verfehlen ihre Wirkung vor allem deshalb nicht, weil er selbst seine Ansichten seit Jahrzehnten schon in erfolgreiche Praxis umsetzt. Und sie passen gut in eine Zeit, in der man - was Wolfgang Grupp als völlig unlogisch empfindet - "den Arbeitslosen die letzte Mark noch halbiert oder das Kranken- und Sterbegeld kürzt anstatt sich um die Schaffung von Arbeitsplätzen zu kümmern."

Auch in Sachen Gesundheitswesen hat Wolfgang Grupp pragmatische Vorschläge - mehr Eigenverantwortung durch mehr Eigenbeteiligung generell und für Risikogruppen wie Sportler oder Raucher eine eigene Zusatz-Krankenversicherung. Und in Sachen Rente: "Sie muss diskutiert werden, doch die Besserung des Arbeitsmarktes hat Vorrang."

Das ist allemal Zündstoff für jede Diskussion. So wird der Burladinger Unternehmer auch immer öfter als Diskussionspartner in die Pflicht genommen. Sogar, wie gestern in Berlin an der Humboldt-Universität, auf wirtschaftswissenschaftlichen Podien. Da bringt er dann seine Vorstellungen "und einen gesunden Menschenverstand" ein. Und im Gegensatz zu manchem Politiker Praxiserfahrung und Erfolg.

Dass viele seine Ansichten teilen, kommt nach solchen Auftritten im positiven Echo zum Ausdruck. Dass er sich darüber freut und sich gerne in den Medien wiederfindet - "nicht nur, weil ich etwas zu sagen habe, sondern weil damit auch immer Werbung für das eigene Unternehmen verbunden ist" - mit nunmehr 37 über ganz Deutschland verstreuten Testgeschäften eines der erfolgreichsten Vermarktungsmodelle - das gibt er ganz unumwunden zu. Der Unternehmenserfolg ist schließlich sein Auftrag. Den aber erfülle er nicht nur für sich, sondern auch, indem er seinen Mitarbeitern sichere Arbeitsplätze gewährleistet.

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