Leserbrief

Lebensqualität der Anwohner bedenken

03.02.2012

Als betroffener Anwohner an das Areal der Realschule Balingen wollte ich zunächst keinen Leserbrief schreiben, da ich der Auffassung bin, dass man unter erwachsenen Personen in der Sache „Windkraftanlage“ einen einigermaßen tragbaren Kompromiss finden kann. Nachdem aber in den beiden Artikeln des ZAK „Mächtig Gegenwind“ und „Windkraft-Einigung scheint in Reichweite“ Aussagen gemacht werden, die wesentliche Abweichungen enthalten, bleibt mir nichts anderes übrig, als auch in der Zeitung in diese Angelegenheit einzusteigen.

Bei einer Informationsveranstaltung erfuhren die geladenen Anwohner nur Aussagen zum Verfahren und vage Aussagen zu technischen Fragen, wie die Effizienz der Anlage und die Lärmbelästigung. Da ich mich dazu zuvor im Internet kundig gemacht habe, konnte ich bei zwei Anlagen bezüglich Stromertrag erstaunliche Werte offenbaren. Das von der Stadtverwaltung ausgesuchte Windkraftmodell „Antaris 2,5 kW“ konnte erst danach erforscht werden. Hier die ermittelten Daten: Der Zusatz „2,5 kW“ täuscht eine Leistung vor, die nur bei einer Windgeschwindigkeit von 11,5 m/s = 39,6 km/h (= Windstärke 6) erreicht wird. Die durchschnittliche Leistung bei verschiedenen Windgeschwindigkeiten beträgt 1233 Watt. Im Vergleich mit einer anderen Anlage, bezogen auf denselben Standort, errechnet sich für das Jahr 2011 ein Ertrag von 640 kWh, somit ein Tagesertrag von 1,75 kWh. Ob sich bei diesem geringen Ertrag die Baukosten zwischen 10 000 und 15 000 Euro sowie die anschließenden Wartungskosten bei einer Einspeisevergütung von gerade mal 9,2 Cent wohl auszahlen?

Das im Zeitungsbericht vom 28. Januar erwähnte „rund zehn Meter weiter von den Anwohnern entfernt, dafür ein etwas höherer Mast“ entspricht in keiner Weise meinem Kompromiss-Vorschlag die Anlage 20 Meter nach Süden zu verschieben. Wer sich die Mühe macht, diesen Standort zu besichtigen, wird feststellen, dass hier in zehn Meter Höhe keine Windbeeinträchtigungen gegeben sind. Die Winde haben von allen Seite dieselben freien Zugänge zum Rotor. Was wir Anwohner von den Entscheidungsträgern unserer Stadt erwarten, ist eine objektive Abwägung zwischen einem so genannten Pilotprojekt mit geradezu unzureichenden Erträgen und der Lebensqualität der Anwohner.

Roland Groner
Lisztstraße 37, Balingen