Kein Urlaub für die Narren
Bei Spurensuche trifft Matthias Schwarz auf immer aktuelles Problem
Albstadt-Ebingen, 02.02.2012 von Dagmar Stuhrmann
Matthias Schwarz, der „Zunftfürst“ der Narrenzunft Alt-Ebinga, vertieft sich seit Jahren auf der Suche nach den Wurzeln der Ebinger Fasnet in seiner Freizeit in historische Quellen. Dabei ist ihm aufgefallen, dass manche Probleme sich durch die Jahre erhalten haben: So haben die aktiven Fasnachter auch schon vor 100 Jahren ausgerechnet an den närrischen Tagen arbeiten müssen. Matthias Schwarz kennt das: „Jedes Jahr das gleiche Ritual“, erzählt er, „wenn ich meine Narren frage, wer am Schmotzigen Donnerstag und Fasnetsmontag bei der Straßenfasnet mit dabei sein kann, antworten die meisten, dass sie noch nicht wissen, ob der beantragte Urlaub genehmigt wird.“ Selbst in traditionellen Fasnetshochburgen werde es immer schwieriger, alle Urlaubsanträge genehmigt zu bekommen. In Rottweil, wo Matthias Schwarz als Kind als Bajass „mitjuckte“, hätten damals noch die Betriebe „einfach zu gemacht und man hatte Fasnets-Urlaub, ob man wollte oder nicht.“
Das hat es in Albstadt so noch nie gegeben. „Die Firmen schließen über die 'hohen Tage' nicht und können nur einem Teil der Belegschaft Urlaub gewähren.“ Ein Problem, das das Ebinger Narrenkomitée im Jahre 1900 wenige Tage vor dem Fasnachtsmontag erkannte und am 23. Februar 1900 in einem öffentlichen Aufruf an die Fabrikanten um Freistellung der Belegschaften gebeten hat. Hintergrund war ein bis dato größter Maskenumzug, den die Stadt jemals gesehen hatte. Der Aufruf muss wohl Früchte getragen, denn in Zeitungsberichten über den Umzug heißt es, dass sich „eine Menschenmenge, wie man sie nur in größeren Städten gewöhnt ist“ eingefunden hatte.
Viel einfacher war und ist die Sache bei Fasnachtsbällen oder der sogenannten „Gasthaus-Fasnet“. Damals wie heute können an den Wochenenden die aktiven Fasnachter um die Häuser ziehen. Der Fasnet-Samstag ist seit 1883 der Ebinger Fasnachts-Tag für Hausbälle und Hallenfasnet schlechthin. In fast lückenloser Weise finden sich jährlich Einladungen, Aufzeichnungen und Werbeanzeigen für Kappenabende, Scherzabende oder närrische Theaterspiele in den Gaststätten Unoth, Stern, Traube, Linde, Hoffnung, schwarzer Adler, zum Fuchsen sowie im alten Saalbau des Gesangvereins Eintracht. Das Gasthaus Hasen wurde während der hohen Narrentage in „Narrhalla Hasen“ umbenannt. Als dann die Festhalle gebaut worden war, fanden dort regelmäßig Fasnachtsbälle statt. Veranstalter waren sämtliche Ebinger Vereine. Diese „Ball-Tradition am Fasnet-Samstag“ kam in den 1980ern zum Erliegen und wurde durch die Narrenzunft Alt-Ebinga im Jahre 2003 wiedererweckt. Seit einigen Jahren versucht Matthias Schwarz auch, die Narrentage vom Schmotzigen Donnerstag bis Fasnet-Dienstag mit neuen Elementen zu bereichern. Der Schmotzige sei zwar seit vielen Jahren ein Tag, den alle Ebinger Fasnachtsvereine schon für eine Straßenfasnet nutzen, dennoch müsse die Ortsfasnet weiter gestärkt werden.
Info
Karten für den Bürgerball am 18. Februar sind in der Geschäftsstelle des ZOLLERN-ALB-KURIER Ebingen, in der Tourist-Information und im Praktiker Albstadt zu erhalten.
Vor 112 Jahren: Bitte an die „hohen Herren Fabrikanten“
Närrischer Aufruf: Im Jahr 1900 appellierten die Ebinger Fasnachter an die Arbeitgeber, ihrer Belegschaft vom Schmotzigen Donnerstag bis zum Rosenmontag frei zu geben. „Der hiesige Hutmachergesangverein,“ hieß es in der Anzeige, „veranstaltet kommenden Montag Nachmittag einen großen Fastnachts-Umzug. In Anbetracht der vielen Mühen und Kosten, die damit verbunden sind, ist es wohl nicht zu viel verlangt, wenn wir an die H.H. Fabrikanten und Arbeitgeber mit der Bitte herantreten, sie möchten ihren Angestellten genannten Nachmittag frei geben. Es ist ja nur einmal Fastnacht im Jahr und würde ein solches Vorgehen von Seiten der Arbeiter sicherlich in dankenswerter Weise anerkannt. Wir hoffen, dass wir nicht umsonst an die Großmütigkeit der Herren appelliert haben.“
