„Komasaufen darf nicht cool sein“

Projekt „HaLT“ soll helfen, Alkoholmissbrauch unter Kindern und Jugendlichen zu vermindern

Zollernalbkreis, 31.01.2012 von Klaus Irion

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Was häufig als „Komasaufen“ verharmlost wird, endet nach wie vor auch für viele Kinder und Jugendliche im Zollernalbkreis auf der Intensivstation. Das Projekt „HaLT“ soll dem Tun entgegenwirken.

Rund 60 Mal hat im vergangenen Jahr das Zollern-albklinikum aus ein und demselben Grund bei Eltern minderjähriger Kinder angerufen. Der Sohn oder die Tochter war wegen exzessiven Alkoholkonsums stationär aufgenommen worden. Wie reagieren die betroffenen Eltern darauf? Wollen sie das Problem selbst lösen, weil es im besten Fall ein einmaliges „Komasaufen“ ihres Kindes war? Oder suchen sie beratenden Kontakt, weil sie selbst mit der Situation überfordert sind, beziehungsweise es nicht das erste Mal war, dass das eigene Kind wegen Alkohols auf der Intensivstation gelandet ist? Fragen, denen sich die diversen Mitstreiter des landkreisweiten Projekts „Hart am Limit“ (HaLT) annehmen wollen (siehe dazu auch unseren Extra-Artikel).

„Unsere Hauptansprechpartner sind zunächst einmal die hiesigen Kliniken“, sagt Magdalena Dieringer von der Suchtberatungsstelle der Balinger Diakonie. Gerade in diesen Wochen, wenn allerorten die Fasnetsveranstaltungen laufen, sei es noch notwendiger als sonst, dass Kinder und Jugendliche nach Alkoholmissbrauch nicht nur notärztlich betreut werden, sondern sie und ihren Eltern auch auf die Möglichkeit einer Beratung hingewiesen werden.

Denn die fachlich ausgebildeten Mitstreiter von „HaLT“ können nur aktiv werden, wenn die Betroffenen sich selbst melden. Oder aber wenn die Eltern die behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht entbunden haben und ihnen damit auch das Recht einräumen, Namen und Krankendaten weiterzugeben. „Das Problem ist, dass viele Betroffene und auch viele Eltern das Geschehene so schnell wie möglich wieder vergessen wollen“, sagt der Suchtbeauftragte des Landkreises, Josef Huber. Was nicht weiter schlimm sei, wenn es sich um einen einmaligen Vorgang handelt. Darüber war sich Huber mit Kreissozialdezernent Eberhard Wiget, Magdalena Dieringer, Helga Huber (Verein Huckleberry und Pippilotta), Diana Schrade-Geckeler (Diakonie), Gerhard Riede (DAK) und Renate Liener-Kleinmann (AOK) einig. „Diesen Kindern und Jugendlichen gilt nicht unser Hauptaugenmerk“, erklärt Helga Huber. Dieses liegt vielmehr auf denjenigen, die schon mehrfach viel zu viel Alkohol getrunken hatten uns bereits als suchtgefährdet gelten. Für alle gilt nach Ansicht von Liener Kleinmann, „dass Komasaufen und ein anschließender Krankenhausaufenthalt im Freundeskreis nicht auch noch cool sein darf“. Rund 1000 Euro kostet die jeweilige Krankenkasse den zumeist nach einem Tag beendeten Krankenhausaufenthalt. Es sei in der Vergangenheit zwar schon geprüft worden, ob Eltern für das Verhalten ihrer Kinder in Regress genommen werden könnten. „Das ist aber rechtlich nicht möglich, weil nach Ansicht der Rechtsprechung kein Vorsatz vorliegt“, sagt Gerhard Riede.

Die Krankenkassen beteiligen sich finanziell an „HaLT“, den Hauptteil der Kosten tragen aber mit rund 11 000 Euro der Kreis (zwei Drittel) und die Diakonie (ein Drittel).


Zahl der Komasäufer sinkt bei den bis zu 14-Jährigen und steigt bei den 15- bis 18-Jährigen

Fallzahlen: Laut statistischem Bundesamt ging die Zahl der „Komasäufer“ im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr zwar um 2,7 Prozent zurück. Aber immer noch 26 000 Kinder und Jugendliche sind wegen einer akuten Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt worden. Und wie immer bei Statistiken steckt auch hier der Teufel im Detail. Denn die rückläufigen Zahlen sind vor allem auf das Kindesalter von acht bis 14 Jahre zurückzuführen. Bei den Jugendlichen von 15 bis 20 Jahren gab es im Jahr 2010 hingegen 2,9 Prozent mehr Alkoholvergiftungen.

HaLt-Mitstreiter: Der Verein „Huckleberry und Pippilotta“, der Kinder suchtkranker Eltern unterstützt, hat sich mit dem Landratsamt und der Suchtberatungsstelle der Balinger Diakonie sowie den Krankenkassen AOK und DAK zusammengetan, um mittels „HaLT“ präventiv und beratend tätig zu werden

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