Junge Frau stirbt bei Großbrand
Feuer im Ortskern von Tieringen – Mutter rettet sich durch Sprung aus dem Fenster
Messstetten, 28.01.2012 von Volker Schweizer
Eine schwere Rauchgasvergiftung erlitt der 19-jährige Sohn. Ihm gelang es noch, das brennende Haus durch die Haustür zu verlassen. Beim Sprung aus dem ersten Stock auf den Hofraum zog sich die Mutter eine schwere Verletzung am Bein zu. Sie musste in eine Spezialklinik nach Tübingen gebracht werden. Dort wird auch ihre Rauchgasvergiftung behandelt.
Den Einsatzkräften bot sich ein dramatisches Bild. Meterhoch schlugen die Flammen aus dem über 100 Jahre alten Gebäude in der Hausener Straße. Noch in der Nacht nahm die Kriminalpolizeiaußenstelle Albstadt die Ermittlungen auf. Gestern wurde ein Brandsachverständiger hinzugezogen. Da das Gebäude einsturzgefährdet ist, war es bislang nicht möglich, umfassende Untersuchungen durchzuführen. Die Suche nach der Ursache wird fortgesetzt, sobald der Brandschutt abgetragen ist. Der Bauhof hat die Brandruine abgesichert. Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen liegen keine Hinweise auf ein Fremdverschulden vor.
Der Brand war gegen 2 Uhr vermutlich im Erdgeschoss ausgebrochen. Im Haus befanden sich die 44-jährige Eigentümerin und ihre beiden Kinder. Der Sohn wurde durch den beißenden Qualm aus dem Schlaf gerissen und flüchtete ins Freie. Die Mutter, die zwischenzeitlich ebenfalls wach geworden war, sprang aus einem Fenster im ersten Obergeschoss. Trotz des massiven Einsatzes der Feuerwehren gelang es nicht, die Tochter lebend zu retten. Im Laufe der Nacht entdeckten Feuerwehrleute die Leiche der jungen Frau im Dachgeschoss. „Sie ist wohl im Schlaf erstickt“, so Matthias Schwarz, der Gesamtkommandant der Feuerwehr Meßstetten. Unter seiner Leitung stand der Einsatz.
Ein Nachbar, der von der Arbeit gekommen war, hatte das Feuer bemerkt und den Handmelder am Rathaus betätigt. Beim Eintreffen der Tieringer Feuerwehr schlugen bereits die Flammen aus dem Gebäude. Nur kurze Zeit später war die Stützpunktwehr aus Meßstetten vor Ort. Außerdem wurden die Atemschutzträger aus Hossingen, Oberdigisheim und Unterdigisheim alarmiert. Rund 90 Feuerwehrleute waren im Einsatz.
Von Anwohnern sei der Hinweis gekommen, dass sich im Haus noch eine Person befinde, berichtet Matthias Schwarz. Weil sich der Brand in rasender Geschwindigkeit ausgebreitet hatte, habe man den Einsatz mit der Schiebeleiter in kürzester Zeit wieder abbrechen müssen. Auch sei es nicht möglich gewesen, das Haus zu betreten. „Ein Übergreifen der Flammen auf die Nachbargebäude im eng bebauten Ortskern konnte aber verhindert werden“, so Schwarz.
Mit zahlreichen Helfern war auch das Rote Kreuz am Brandort. Neben den Mitgliedern des DRK Tieringen-Hausen rückte die Schnell-Einsatz-Gruppe aus Balingen und die Bereitschaft Obernheim-Oberdigisheim aus. Die medizinische Koordination übernahm Kreisverbandsarzt Dr. Volker Hauff. Weitere Leitungsfunktionen hatten der stellvertretende Kreisbereitschaftsleiter Heiko Lebherz und der stellvertretende Rettungsdienstleiter Alwin Koch. Der Notfallnachsorgedienst betreute die mit der Bergung der Leiche beauftragten Wehrmänner. Außerdem mussten sich die Helfer um die Nachbarn, die zum Teil unter Schock standen, kümmern.
Auch Kreisbrandmeister Stefan Hermann, Bürgermeister Lothar Mennig und Ortsvorsteher Jürgen Löffler waren vor Ort, um sich über die Lage zu informieren. Laut Bürgermeister Mennig kommt der 19-jährige Sohn bei einer befreundeten Familie in Tieringen unter.
