Junge Galerie mit Pep statt Musentempel
Publikum „ qualitätsmäßig“ gut vertreten – Vortrag zu Schillers Ästhetik
Albstadt-Ebingen, 27.01.2012 von Holger Much
Die Rede der Galerievereinsvorsitzenden Bettina Zundel war vor allem auch der Versuch einer positiven Standortbestimmung nach der massiven Beschneidung und Umstrukturierung der Galerie seit 2010. Kein „Musentempel“ sei das Haus nun, dafür ein jugendlicher Kunst- und Kulturtreffpunkt mit Pepp, breit aufgestelltem Angebot und einzigartigem „Kids-Museum“.
Die Unterstützung von Kommune, Mäzenen und Vereinen sei, so Zundel, dennoch erwünscht und notwendig. Und den erfolgreichen Machern von Albstadts Traufgängen ließ sie die Botschaft zukommen, das kulturelle Angebot der Galerie als Schlechtwetterprogramm und Alternative für Traufgangbesucher mit ins Tourismusboot zu nehmen.
Für Schmunzeln sorgte die Bemerkung von Oberbürgermeister Dr. Jürgen Gneveckow, der den Besuchern im proppenvollen Saal freudig attestierte, „zahlenmäßig und qualitätsmäßig“ gut vertreten zu sein.
Während Martin Wäschle mit einem sympathisch-entspannten Pop-Potpourrie für musikalische Zerstreuung sorgte, nahm Festrednerin Prof. Dr. Irmgard Zepf die Konzentration der Besucher in die Pflicht.
In ihrem universitären Vortrag über Schillers Ästhetik legte sie dessen bestechenden, in Briefform gefassten Gedankengang dar, dass eine bewusste ästhetische Erziehung in der Lage sei, die Kluft zwischen der puren, triebhaften menschlichen Natur und der puren, kalten Vernunft zu überbrücken und auszugleichen.
Wenn also Kunst nicht primär Luxus und Ausfluss von Reichtum, sondern Bestandteil einer humanistisch-politischen Menschenbildung sei, so, schlussfolgerte die Kölner Professorin und Künstlerin mit Ebinger Wurzeln, sei eben auch ein Haus wie die Galerie Albstadt unverzichtbar.
