Leserbrief

„Brot und Spiele“ waren nicht für die Elite gedacht

26.01.2012

Die Affäre um unseren Bundespräsidenten zeigt mit dem jüngst aufgedeckten Einsatz von Steuergeldern für die Lobbyveranstaltungen des Nord-Süd-Dialogs nicht nur die Selbstbedienungsmentalität von Volksvertretern.

Wo kommen denn die in hohen Summen gespendeter Gelder von Eon, Thalanx und ENBW her? Aus der Privatschatulle der Vorstände? Nein, von unseren Beiträgen, die wir beim Stromkauf und beim Zahlen unserer Versicherungsbeiträge zu entrichten haben. Gänzlich zur Farce werden die im Fernsehen gezeigten Bilder der glamourösen Veranstaltungen, auf denen sich die Sternchen aus Politik, Wirtschaft und Sport bedienen ließen dann angesichts der neuesten Erklärung des EON-Konzerns in Deutschland aus Kostengründen in Zukunft 6000 Arbeitsplätze einzusparen.

Der Unterschied zur „spätrömischen Dekadenz“ besteht eigentlich nur noch darin, dass „Brot und Spiele“ im Altertum hauptsächlich für das Volk gedacht waren und nicht für die Elite.

Die Bemerkung über Friedrich den Großen, die Herr Wulff anlässlich der Feierlichkeiten zu dessen 300. Geburtstag gestern von sich gegeben hat: „Was sein Image betraf, kannte der Herrscher kein Pardon“ bekommt angesichts der aktuellen Ereignisse eine ganz neue Bedeutung.

Und wie erfrischend anders war doch da der Neujahrsempfang der Landesregierung Baden-Württemberg, bei dem nicht wie im Jahr davor 2000 Großkopfete aus Politik, Wirtschaft und Verbänden, sondern bewusst 600 überwiegend freiwillig und ehrenamtlich tätige Bürger eingeladen waren.

Es geht doch!

Peter Seifert
Unter Dorfstr. 12,
Weilstetten