Baisingen statt Bitzwäldle?
Stadt Rottenburg hat Interesse am Bau des „Rottweiler“ Großgefängnis
Zollernalbkreis, 24.01.2012 von Klaus Irion
Wie sich die Szenerien doch gleichen: Vor zwei Jahren wurde in Rottweil bekannt, dass die Stadt das neue Gefängnis direkt an der Kreisgrenze zum Zollernalbkreis errichten lassen möchte. Weit weg von der Kernstadt, mitten ins Bitzwäldle. Und was macht Rottenburg im Landkreis Tübingen, nun da das Land einen völlig neuen Standort-Suchlauf durchführt? Es kommt noch vor der eigentlichen Flächengesuchs-Ausschreibung des Stuttgarter Finanzministeriums aus der Deckung und bietet als möglichen Standort ein Gelände im Teilort Baisingen an – weit weg von der Kernstadt und bereits jenseits der Autobahn 81, dafür unmittelbar vor der Haustür der Gemeinde Eutingen im Landkreis Freudenstadt.
Hier hören die Rottweiler und die Rottenburger Gemeinsamkeiten in Sachen Gefängnisbau aber dann doch schon auf. Denn den Rottenburgern geht es mitnichten darum, das bereits lange Zeit bestehende Großgefängnis mitten in der Kernstadt aufzugeben. Im Gegenteil: Rottenburg möchte beide Gefängnisse.
In Rottweil geht es dagegen darum, den längst nicht mehr dem modernen Strafvollzug angemessenen innerstädtischen Knast durch einen großen Neubau vor den Toren der Stadt zu ersetzen. Und dafür viele tausend Bäume im Naherholungsgebiet „Bitzwald“ zu fällen. Rottenburg hingegen bietet dem Land eine Fläche an, die bereits in früheren Jahren erschlossen worden war und als Flugplatz diente.
In dieser Woche tagt der Baisinger Ortschaftsrat und nimmt erstmals konkret Stellung zu dem Thema, das von Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher am Gemeinderat vorbei aufgeworfen worden sei, wie Kritiker ins Feld führen. Denn derer gibt es bereits genug. So wie sich die Mehrheit der Schömberger, Zimmerner, Zepfenhaner und Neukicher von Rottweil überfahren fühlen, geht es nun wohl auch einigen Baisingern und Eutingern.
Von Seiten eines Sprechers des Finanzministeriums wurde jüngst die Rottenburger „Bewerbung“ mit wenig Aussicht auf Erfolg betrachtet. Begründung: Baisingen liegt nicht im Dreieck Rottweil, Tuttlingen, Donaueschingen, das von Ministeriumsseite als Standortgebiet favorisiert wird. Und zudem auch außerhalb der Landgerichtsbezirke Hechingen, Rottweil, Konstanz und Waldshut-Tiengen, für die das neue Gefängnis errichtet werden soll. Allerdings ist die Distanz verschwindend gering. Denn Eutingen ist wie der gesamte Landkreis Freudenstadt dem Landgerichtsbezirk Rottweil zugeordnet, Baisingen gehört als Rottenburger Teilort dagegen zum Landgerichtsbezirk Tübingen.
Die Lage außerhalb des „Dreiecks“ könnte auch einem weiteren Gefängnis-Interessenten negativ ausgelegt werden. Wie der ZOLLERN-ALB-KURIER bereits berichtet hatte, könnte man sich nach dem geplanten Abzug der Bundeswehr auch in Mengen (Landkreis Sigmaringen, Landgerichtsbezirk Hechingen) vorstellen, anstelle der Stadt Rottweil Sitz eines Großgefängnisses zu werden. Dieser Tage wird das Finanzministerium die Suche nach einer geeigneten Fläche offiziell ausschreiben.
