Frankenberg will Landrat werden

Tuttlinger CDU-Kreistagsfraktion nominiert 43-Jährigen einstimmig – Haigerlocher Schultes chancenlos

Zollernalbkreis/Tuttlingen, 13.01.2012 von Gudrun Stoll

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Matthias Frankenberg will Landrat im Nachbarkreis Tuttlingen werden. Die CDU-Kreistagsfraktion hat den 43-Jährigen Meßstetter nominiert. Gestern reichte Frankenberg seine Bewerbung offiziell ein.

Fünf Fraktionen, von denen im Tuttlinger Kreistag keine über die absolute Mehrheit verfügt: Vor diesem Hintergrund dürfte die Landratswahl am 15. März spannend werden. Die Bewerbungsfrist läuft bis Montag, 16. Januar.

?Zwei Kandidaten haben sich offiziell erklärt. Zum einen Matthias Frankenberg, derzeit Erster Landesbeamte des Zollernalbkreises und erklärter Favorit der CDU-Fraktion, die über 21 der 47 Sitze im Tuttlinger Kreistag verfügt. Gegenkandidat ist Stefan Bär. Der Fridinger Bürgermeister und Fraktionschef der Freien Wähler gab seine Kandidatur bereits am Mittwoch bekannt. Bär baut bei der Wahl auf die Stimmen seiner Fraktionskollegen aus dem Lager der Freien Wähler, die neun Kreisräte stellen. Sofern die CDU geschlossen für Frankberg stimmt, benötigt der 43-jährige Meßstetter noch drei Stimmen aus dem Lager von SPD (sechs Sitze), FDP (sechs Sitze) und Offener Grüner Liste (fünf Sitze), um neuer Tuttlinger Landrat zu werden.

?Alle drei Fraktionen wollen nach Presseverlautbarungen den Bewerbungsschluss abwarten, bevor sie sich hinter einen der Kandidaten stellen. Er gehe „optimistisch in die Wahl“, sagte Frankenberg gestern auf unsere Anfrage. Die CDU hat ihm klare Unterstützung signalisiert, nachdem lange offen war, wer zum Kandidaten der stärksten Kreistagsfraktion gekürt werden soll. Reinhold Scuka, Bürgermeister von Althütte und CDU-Fraktionschef im Rems-Murr-Kreis, stellte sich in der Fraktion vor. Emil Buschle, dem Ersten Bürgermeister der Stadt Tuttlingen, wurde Chancen eingeräumt. Doch er lehnte ab. Erst vor zwei Tagen fiel die endgültige Entscheidung. Matthias Frankenberg stellte sich am Mittwoch in der Fraktion ein zweites Mal vor, nachdem er im Dezember zunächst vorsichtig die Fühler ausgestreckt hatte. In geheimer Wahl entschieden sich die Kreisräte der CDU-Fraktion einstimmig für den Juristen aus dem Balinger Landratsamt. Nicht zum Zuge kam ein zweiter Kandidat aus dem Zollernalbkreis. Zum Vorstellungsgespräch eingeladen war am Mittwoch auch Dr. Heinrich Götz, seit 2007 Bürgermeister von Haigerloch. Mitglieder der Tuttlinger CDU-Fraktion seien in dieser Sache auf ihn zugekommen, bestätigt Götz den erfolglosen Abstecher in den Fraktionsraum der CDU im Tuttlinger Rathaus.

?Die CDU habe abgewogen und sich schließlich auf Frankberg festgelegt, weil er den Landkreis kenne, die Sprache der Menschen spreche, einschlägige Erfahrung mit der Leitung einer großen Behörde habe und vor allem die nötige Fachkompetenz mitbringe, wird CDU-Fraktionschef Adrian Stier zitiert.

?Matthias Frankenberg ist in Albstadt aufgewachsen, absolvierte eine Bankkaufmannslehre bei der Sparkasse Zollernalb und studierte im Anschluss Jura an der Universität Tübingen. Der 43-Jährige war bereits von 2001 bis 2003 im Tuttlinger Landratsamt tätig, dann wechselte er als Erster Landesbeamter ins Landratsamt des Zollernalbkreises. Frankenberg gilt als fachlich kompetent, loyal und bodenständig. Der „zweite Mann“ nach Landrat Pauli nutze die Chance, um auf den unerwartet durch die politischen Ereignisse frei gewordenen Chefsessel im Nachbarkreis zu wechseln, im richtigen Alter und auch zur richtigen Zeit, sagen Beobachter.

?Der CDU gehört Frankenberg seit 1984 an. Er wohnt mit Ehefrau Gudrun und den drei Söhnen im Alter von vier, neun und zwölf Jahren in Meßstetten.

Info

Guido Wolf war von 2003 bis 2011 Tuttlinger Landrat. Er wurde Ende Oktober 2011 zum neuen Präsidenten des baden-württembergischen Landtags gewählt. Wolf ist Nachfolger von Willi Stächele, der nach wenigen Monaten den Sessel räumte. Der Staatsgerichtshof hatte Stächele im Zusammenhang mit dem Rückkauf von EnBW-Aktien Verfassungsbruch in seiner Funktion als Finanzminister bescheinigt.

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