Leserbrief
Wulff ist ein unbelehrbarer Wiederholungstäter
11.01.2012
„Es ist tragisch, dass Deutschland in dieser schwierigen Zeit keinen unbefangenen Bundespräsidenten hat, der seine Stimme mit Autorität erheben kann. (…) Ich leide physisch darunter, dass wir keinen unbefangenen Bundespräsidenten haben.“ Von wem könnte dieses Zitat stammen?
Richtig, es ist von unserem noch amtierenden Bundespräsidenten Christian Wulff, aus dem Jahr 2000, getätigt in einem Focus-Interview zu dem Flugaffärenskandal des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau. Und wie geht es Ihnen so „physisch“, wenn Sie an unseren Bundespräsidenten denken? Gehören Sie zu den knapp über 50 Prozent, die ihn im Amt behalten wollen, oder sind Sie derselben Meinung wie unser Landrat Günther-Martin Pauli, der mutig Wulffs Rücktritt fordert? In der jüngsten Ausgabe der „Welt am Sonntag“ schreibt Chefredakteur Jan-Eric Wolters, dass Wulff unlängst das Gleiche bei der „Welt“ wie bei der „Bildzeitung“ versucht hat, nämlich, eine für ihn unliebsame Geschichte zu stoppen.
Wulff ist in jeder Hinsicht ein unbelehrbarer Wiederholungstäter. Dieser Präsident gehört zu der weit verbreiteten Politikerspezies, die nicht erkennen will oder kann, dass nicht alles, was legal ist, auch legitim und geziemend sein muss, und dies gilt ganz besonders für den höchsten Amtsträger. Denken wir an den Müllmann, der Spielsachen aus dem Müll für seine Kinder mitgenommen hat, denken wir an die Altenpflegerin, die übrig gebliebene Maultaschen für sich eingepackt hat, denken wir an die Supermarktkassiererin, die angeblich im Centbereich Pfandbons eingesteckt haben soll, alle wurden (zunächst) entlassen. Wir scheinen in einer Gesellschaft zu leben, in welcher an das Arbeitsethos eines Müllmannes, einer Altenpflegerin und einer Kassiererin höhere Maßstäbe angelegt werden als an das eines Bundespräsidenten. Bringen wir’s auf den Punkt und den letzten Stand der Entwicklung: Wulff hat dem Amt des Bundespräsidenten schweren Schaden zugefügt und der allgemeinen Politikverdrossenheit weiter Vorschub geleistet. Und der „Fall Wulff“ ist schon längst zum „Fall Merkel“ geworden, die diesen von Anfang an wenig geschätzten Bundespräsidentenkandidaten aus reinem Machtkalkül gegen des Volkes Liebling, Joachim Gauck, durchgeboxt hat.
Rainer RehfussGrünewaldstraße 155, Balingen
