Lange Reise nimmt glückliches Ende

Das von Conrad Schick entworfene Miniaturmodell des Tempelbergs ist zurück in Jerusalem

Bitz, 10.01.2012

Anzeige
Ein Miniaturmodell des Jerusalemer Tempelbergs ist nach fast anderthalb Jahrhunderten an den Ort seiner Entstehung zurückgekehrt. Conrad Schick hatte es einst für die Weltausstellung in Wien gefertigt.

Der aus Bitz gebürtige Conrad Schick (1822-1901) kam in jungen Jahren als Missionar nach Jerusalem und erwarb sich dort im Lauf seines Lebens den Ruf eines überaus kompetenten Sachverständigen für die Archäologie der Stadt Jerusalem und ihrer Umgebung. In Jerusalem ist heute sogar noch eine Straße nach ihm benannt. Zu Hause wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen verliehen. Außerdem erhielt Conrad Schick den Titel des königlich-württembergischen Baurats.

Das von Schick entworfene Modell fand noch vor Weihnachten eine neue Heimat in der Christ Church in Jerusalem. Die Zeitung „Die Oberbadische“, die ihren Sitz in Lörrach hat, berichtete in der Heilig-Abend-Ausgabe über die lange Reise. Bürgermeister i. R. Eberhard Stotz aus Bad Bellingen, der aus Laufen stammt, ließ uns den entsprechenden Artikel zukommen.

Darin beschreibt Dorothea Gebauer, die Mediensprecherin der Pilgermission St. Chrischona mit Sitz in Bettingen bei Basel, die Entstehungsgeschichte der Miniaturdarstellung, die sich wie ein Märchen aus Tausendundeinernacht anhört.

Conrad Schick aus dem württembergischen Bitz ist ein Schlosser, Feinmechaniker, Glockengießer, Uhrmacher und ein frommer Mann. Nachdem er im Predigerseminar auf St. Chrischona studiert hat, wird er 1846 vom Sekretär der Basler Christentumsgesellschaft, Christian Friedrich Spittler, nach Palästina geschickt. Als sich seine missionarischen Bemühungen sehr schwierig gestalten, und auch seine Uhren wegen der Hitze kaputtgehen, passiert etwas Wichtiges. Er wird Arbeitsaufseher einer „Industrieschule“ und später Bauinspektor derselben Missionsorganisation. Das Industriehaus beschäftigt Muslime und Juden gleichermaßen. Sie erhalten Arbeit, eine Ausbildung und lesen in der Heiligen Schrift.

In diesem Rahmen entwickelt Schick sich immer mehr zu einer bekannten Persönlichkeit in Sachen Archäologie und Stadtplanung. Er fängt an, Jerusalem auszumessen und Modelle der Stadt sowie des Tempelberges anzufertigen. Die türkische Regierung bittet ihn, für die Weltausstellung 1872/73 in Wien drei Modelle des Tempelbergs anzufertigen. Dies nimmt Schick zum Anlass, den Tempelberg exakt zu vermessen. Dank seiner guten Kontakte darf er sich dort frei bewegen. Mit Hilfe der Mitarbeiter des Industriehauses der „London Society for Promoting Christianity Amongst the Jews“ und unter größter Sorgfalt stellt Schick diese Modelle her und liefert sie nach Wien.

Danach wandern die Modelle auf nicht ganz genau geklärten Wegen nach Basel und liefern einen Beitrag zu einer Dauerausstellung im Konziliumssaal des Münsters. Irgendwann wird es auf den Dachboden des Basler Münsters gebracht. Ob die Pilgermission sie haben wolle, fragt 1964 der Verwalter des Münsters bei der Pilgermission St. Chrischona nach. Ansonsten würde man sie der „Kehrichtverbrennung“ zuführen. Daraufhin holt die Pilgermission das Modell nach St. Chrischona und verstaut es auf dem Dachboden der Kirche.

1998 wird das Tempelbergmodell anlässlich des 25-jährigen Bestehen der „Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel“ restauriert. Im Dezember 2011 fährt es auf Initiative der Anglikanischen Kirche über den Ozean, um nun mitten in Jerusalem Besucher zu erfreuen.

Jetzt Mitmachen

Anzeige
Anzeige

PROBE LESEN

Der ZAK bei Facebook