„Es hätte sich einfach gehört“
Empörung ist groß: Verteidigungsminister kommt nicht nach Meßstetten
Messstetten, 07.01.2012 von Volker Schweizer
Lothar Mennig hat sich am Mittwoch mit dem Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß, dem ersten Landesbeamten Matthias Frankenberg und den Bürgermeistern aus der Nachbarschaft getroffen, um die Argumente schriftlich zu fixieren.
„Wir wollen mit einer Stimme für die Region sprechen“, so Mennig. Wichtig ist den Beteiligten, dass aus der Zwischenstationierung, die momentan im Gespräch ist, eine Dauerlösung wird. Thomas Bareiß betont: „Mir liegt sehr viel an einer starken Präsenz der Bundeswehr auf dem Heuberg. Die beiden Kasernen in Meßstetten und Stetten a.k.M. und der Truppenübungsplatz Heuberg bilden für mich eine exzellente Einheit. Ein Doppelstandort Stetten a.k.M./Meßstetten hat auch für die Bundeswehr große Vorteile, und die Akzeptanz in der Bevölkerung ist langfristig sicher. Deshalb habe ich mich bisher für die Doppelstandortlösung ausgesprochen und werde das auch noch mal dem Minister vorbringen.“
In dem Schreiben, das dem Verteidigungsminister am Dienstag in Sigmaringen überreicht werden soll, wird explizit auf die Bedeutung des Truppenübungsplatzes Heuberg hingewiesen. Vor allem mit dem Hintergrund, dass um den Schießplatz in Immendingen eine Diskussion entbrannt ist. Den Platz, auf dem Daimler ein Prüf- und Technologiezentrum erstellen will, möchte die deutsch-französische Brigade, die in Donaueschingen stationiert ist, weiter nutzen.
„Stark enttäuscht“ ist Mennig darüber, dass sich Thomas de Maizière nicht in Meßstetten blicken lässt. „Gerne hätten wir aus erster Hand die Beweggründe für die Standortaufgabe erfahren“, betont er. Vom Ministerium liege ihm noch kein Schreiben vor, aus dem die Schließung hervorgehe. Auch Alfred Fauser, CDU-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, kann nicht nachvollziehen, dass die Zollernalb-Kaserne nicht im Besuchsprogramm vorkommt: „Es hätte sich einfach gehört. Aber vielleicht lässt es der Terminkalender nicht zu.“ Deshalb ist auch ihm wichtig, dass weiter aktiv für einen Doppelstandort geworben wird. „Der Minister kneift davor, sich der Tatsache, dass der Standort geschlossen wird, zu stellen“, ärgert sich Fausers Kollege von der Freien Wählervereinigung, Fraktionsvorsitzender Tarzisius Eichenlaub.
Die Öffentlichkeit wird vom Besuch des Ministers nichts mitbekommen. Nur kurz stellt er sich den Fragen der Medienvertreter. Es ist ein 15-minütiges Pressgespräch im Offizierheim in Sigmaringen vorgesehen.
Minister Thomas de Maizière besucht am Dienstagvormittag zunächst das Zentrum für Kampfmittelbeseitigung in Stetten a.k.M.. Gegen 11.15 Uhr wird er in Sigmaringen erwartet. Nach dem Eintrag ins Gästebuch der 10. Panzerdivision will er Gespräche mit der Divisionsführung und den Dienststellenleitern führen. Dann ist ein Treffen mit Soldaten und Zivilbediensteten vorgehen, außerdem ein Round-Table-Gespräch mit Politikern und Bürgermeistern. Um die Mittagszeit schaut sich der Minister das Stauffenberg-Museum und den Stauffenberg-Gedenkstein an.
Die Sigmaringer, die ebenfalls zu den großen Verlierern der Bundeswehrreform zählen, wollen den Minister mit Trillerpfeifen empfangen. Zu diesem lautstarken Protest ruft der HGV – Die Stadtinitiative auf. Der Verein hat zusammen mit General a. D. Wolfgang Kopp schon kurz nach Bekanntgabe der Entscheidung eine Unterschriftenaktion gegen die Schließung der Stauffenberg-Kaserne initiiert.
