Zwei wichtige Punkte
Handball-Bundesliga: HBW jetzt auf Tabellenplatz zehn
Balingen, 24.12.2011 von Reinhard Linder
Und noch wichtiger: Die Schwaben haben am Donnerstag ihre dreiteilige Niederlagenserie beendet und gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt zwei wichtige Punkte geholt. „Entscheidend ist, dass wir gewonnen haben, und nicht, wie wir gewonnen haben“, kommentierte Wolfgang Strobel den 23:22-Erfolg. Es sei ein sehr schweres Spiel gewesen nach den Belastungen der englischen Wochen, „aber wir haben noch einmal alles reingelegt und wollten uns und den Zuschauern beweisen, dass etwas geht.“
Zunächst einmal durfte sich der Mannschaftskapitän das Spiel von der Bank aus ansehen. Denn HBW-Coach Dr. Rolf Brack hatte mal wieder in die Trickkiste gegriffen und seine jungen Spieler in die Anfangsformation gesteckt. Diese tat sich im Angriff ungemein schwer gegen die am Kreis klebende 6:0-Deckung der Gäste und geriet mehrfach in Rückstand. Effektiv war lediglich Fabian Gutbrod, der überraschend schnell seine Verletzung auskuriert hatte. „Ich habe selbst nicht damit gerechnet, dass es so rasch geht“, meinte der 23-Jährige. Am Mittwoch habe er erstmals wieder einen Trainingsversuch gewagt und beim Aufwärmen endgültig grünes Licht gegeben. „Ich habe schon gehofft, dass es einigermaßen läuft“, sagte er nach dem Abpfiff. Ob nun er die Tore mache oder ein anderer, sei völlig gleichgültig: „Was zählt sind die zwei Punkte und die haben wir uns mit einer ausgeglichenen Mannschaftsleistung verdient“.
Nach zehn Minuten begann Brack, sein Personal zu wechseln, hielt aber zunächst an der 5:1-Abwehr fest und ging erst später zur gewohnten 3:2:1-Deckung über. Mit der Hereinnahme von Sascha Ilitsch und Wolfgang Strobel wurde die Abwehr immer sicherer, hinter ihr trumpfte Torhüter Matthias Puhle auf. So stibitzte die Abwehr in der 17. Minute den Löwen einen Ball, den Dennis Wilke per Konter zum 6:5 in die Maschen setzte. Zweimal noch konnten die Gäste die erste Führung der Balinger ausgleichen, als aber Henrik Knudsen eine Zeitstrafe absaß, zogen die Hausherren mit drei Toren in Folge durch Wilke, Benjamin Herth und Roland Schlinger auf 10:7 davon und verteidigten diesen Drei-Tore-Vorsprung mit zum Teil unkonventionellen Mitteln – Herth auf Linksaußen und Ilitsch in der Rückraummitte – bis in die Schlussphase hinein.
Dass es zum Ende hin noch einmal eng werden sollte, lag nicht nur an der ungenügenden Wurfeffektivität der Balinger. Die zunächst gut leitenden Schiedsrichter Ralf Damian und Frank Wenz leisteten sich in der letzten Viertelstunde einige gravierende Irrtümer, welche zum Nachteil des HBW ausfielen. Vor allem beim Zeitspiel agierten sie sehr unglücklich. Sie beließen den Bergischen HC so lange in Ballbesitz, bis irgendwann doch noch das Tor fiel. So wehrte Nationaltorhüter Martin Ziemer nach seiner Einwechslung in der 39. Minute zwar elf Bälle ab, sechsmal musste er das Spielgerät aber wieder herausrücken, weil die Unparteiischen eine Regelwidrigkeit gesehen haben wollten.
Trotzdem avancierte Ziemer neben Kai Häfner, der mit seinen beiden Toren zum 22:20 und zum 23:21 für die Entscheidung sorgte, zum Helden dieser Partie. Zu seiner Zukunft, ob er beim HBW bleibt oder dem früheren Geschäftsführer Benjamin Chatton zum Ligarivalen Hannover-Burgdorf folgt, wollte sich der 28-Jährige am Donnerstag nicht äußern: „Jetzt werden wir erst diesen Sieg feiern und uns morgen zusammensetzen.“
Aber auch am Freitag gab es kein Ergebnis. Ziemers Spielerberater hat HBW-Manager Bernd Karrer um eine Verlängerung der Bedenkzeit gebeten, weil sich der Handball-Profi noch einmal mit seiner Freundin über das Vertragsangebot mit einer Laufzeit von zwei Jahren unterhalten möchte. Beide Seiten sind übereingekommen bis Montag zu warten. „Wenn er dann nicht unterschreibt, müssen wir einen anderen Torwart suchen“, redet Karrer Klartext
