Weltrekorde purzeln
Kunstrad: Champions Trophy versammelt die Elite
Stuttgart, 21.12.2011 von Reinhard Linder
Dieses Resümee jedenfalls zieht Bundestrainer Dieter Maute aus Albstadt, der zu den Organisatoren der neuen Wettkampfplattform gehörte. Mehrfach wurden Beiträge in der SWR-Landesschau ausgestrahlt, „die zumindest dazu beigetragen haben, unsere Sportart etwas aus ihrer Nische herauszuholen“, so die Einschätzung des fünffachen Weltmeisters. Zufriedenstellend sei auch die Besucherzahl mit 2200 Zuschauern gewesen, wenngleich er sich noch ein paar mehr gewünscht habe. „Aber die, die da waren, haben klasse Stimmung gemacht.“
Von der Atmosphäre und dem Preisgeld von 2000 Euro pro Disziplin animiert, geizten die eingeladenen Athleten, allesamt Welt- oder Landesmeister, nicht mit hervorragenden Leistungen. Im Vierer der Frauen und im Zweier der offenen Klasse purzelten sogar die Weltrekorde. Auf 201,76 Punkte kam das Quartett aus Steinhöring, das sich nach seinem WM-Titelgewinn in Kagoshima vor vier Wochen noch einmal steigerte. Die Newcomer der Saison, Luisa und Benedikt Bassmann vom SV Mergelstetten, gewannen bei ihrer ersten Weltmeisterschaft nicht nur auf Anhieb Gold, sondern stellten in Stuttgart mit 152,16 Punkten eine neue Bestmarke auf. Doch nicht nur die deutschen Athleten glänzten. Hin Bon Ip/Pok Man Yu aus Hongkong im Zweier und Hang Cheong Wong aus Macao im Einer der Herren freuten sich über neue Asienrekorde.
Gesundheitlich angeschlagen ging die Vize-Weltmeisterin Sandra Beck vom RV Trillfingen auf das Parkett. Zwar leistete sie sich einen Absteiger, fuhr ansonsten aber sehr sauber. „Dafür, dass Sandra nicht ganz fit war, hat sie eine gute Leistung gezeigt“, lobte sie Maute. Als 168,03 Punkte auf dem Würfel unterhalb des Hallendaches aufleuchteten, war der 26-Jährigen klar, dass es wohl nicht reichen würde, ihrer Dauerkonkurrentin Corinna Hein vom SKV Mörfelden die Siegprämie wegzuschnappen. Die Weltmeisterin kam zwar ohne Sturz durch ihr Programm, allerdings konnte sie viele kleine Unsicherheiten nicht verbergen, die von den strengen Kampfrichtern mit Abzügen bestraft wurden. Ihr Vorsprung schrumpfte weiter zusammen. Mit 169,05 Punkten blieb sie nur hauchdünn vor Beck.
Im Rahmenprogramm der Champions Trophy erhielt der Kunstrad-Nachwuchs die Chance, sich einem großen Publikum zu präsentieren. Besonders gut gelang dies den Talenten des RSV Tailfingen. Anna Boss, die nach einem Zehenbruch wieder ins Training einstieg, fuhr hervorragend, überholte einige Konkurrentinnen, übersprang erstmals die 107-Punkte-Marke und wurde Zweite.
Dieselbe Platzierung holte sich bei den Schülern Niklas Schweiger mit 92,61 Zählern, obwohl er nicht so sauber fuhr, wie es sein Trainer erwartet hatte. Mautes Sohn Max wurde mit 88,43 Punkten Vierter – und war total enttäuscht. Im Training habe seine Kür mehrmals perfekt funktioniert, aber in Stuttgart habe er unter Zeitdruck seine letzte Übung total verhauen. Der zwölfjährige Patrick Rapp fuhr tadellos und belegte mit 76,39 Punkten Rang fünf, der zwei Jahre jüngere Lukas Binder schlug sich als 13. mit 46,52 im starken Teilnehmerfeld sehr ordentlich. „Dafür, dass alle die Übungen aus dem Training heraus gefahren sind, war das richtig gut“, lobte Maute.
Ob die Champions Trophy eine Eintagsfliege bleibt oder eine Wiederholung erfährt, wird sich in den kommenden Wochen herausstellen. „Alle Beteiligten werden sich zusammensetzen und darüber reden“, kündigte der Bundestrainer an. Er halte eine Fortsetzung durchaus für möglich, „fraglich ist, in welcher Form“.
