Der tägliche Wahnsinn

17.12.2011 von Gudrun Stoll

Wir auf der Alb haben Verkehrsprobleme und benötigen dringend den Ausbau der B 27. Was aber Pendler auf sich nehmen müssen, die täglich zur Arbeit in den Großraum Stuttgart fahren, ist salopp gesagt der helle Wahnsinn. Und mittendrin stecken Autofahrer, die auf den Flughafen müssen. Noch nie musste ich bangen, ein Flugzeug zu verpassen. Das Zeitfenster war stets großzügig bemessen. Seit Donnerstag bin ich etwas gescheiter und weiß: Wer in Stuttgart um 8.30 Uhr eine Maschine erwischen will, hat drei Möglichkeiten. Er übernachtet in Flughafennähe. Er verfügt über gute Nerven und die Risikobereitschaft eines Glücksspielers. Er fährt spätestens um fünf Uhr los, obwohl der Weg von Albstadt auf die Fildern in 50 Minuten zu schaffen ist. Wenn alles normal läuft.

Aber wochentags läuft nichts normal auf der B 27 via Landeshauptstadt. Es geht nicht um Tübingen. Das eigentliche Drama beginnt an der Aichtalbrücke, steigert sich von Zubringer zu Zubringer. Der Verkehr stoppt und rollt, stoppt und rollt, stoppt und rollt. Zum Verrücktwerden.

Ich hab's gerade noch auf meinen Flieger geschafft. Aber wie um Himmels Willen halten die Pendler diesen täglichen Stress aus? Warum gibt es von Tübingen, Reutlingen und Metzingen aus kein gescheites Straßenbahnnetz zu den Arbeitsplätzen vor den Toren Stuttgarts und zum Airport? Wo bleibt der Aufschrei der Betroffenen, wo der Einsatz der Politiker?

Die Bahn bietet für Zollernälbler keine echte Alternative. In diesen frühen Stunden ist das Zeitfenster zu knapp, die Anfahrt lang und mit Umstiegen verbunden. Das Auto leistet mehr. Es ist billiger und zu normalen Zeiten einfach schneller. Die Rückfahrt vom Flughafen auf die Alb war am Abend locker in 50 Minuten geschafft. Die Pendler rund um Stuttgart haben während der Rush Hour um 17 Uhr gewiss länger gebraucht. Was für ein Wahnsinn.

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