Hüttenberg stoppt HBW-Serie

Handball-Bundesliga: Schwacher Heimauftritt der Schwaben – Neuling siegt 28:27

Balingen, 12.12.2011 von Marcus Arndt

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Die Serie des Balinger Handball-Bundesligisten ist gerissen. Im Heimspiel gegen Aufsteiger TV Hüttenberg unterlag der HBW Balingen-Weilstetten gestern Nachmittag mit 27:28 (14:14).

Nach drei Siegen in Serie katapultierte sich der HBW auf Rang zehn. Dennoch stapelte Trainer Dr. Rolf Brack vor dem Heimspiel gegen den Tabellenvorletzten tief: „Das wird schwerer als in Hildesheim und Gummersbach. Die Hessen sind ein ganz unangenehmer Gegner.“ Das zeigte sich bereits in den ersten Sekunden: Die Hüttenberger Defensivabteilung blockte Benjamin Herth ab – und Florian Billek verwandelte den Konter eiskalt. Auch in der Folgezeit taten sich die Schwaben sehr schwer im stehenden Angriff gegen die offensive 3:2:1-Abwehr des Aufsteigers, welcher den knappen Vorsprung zunächst konservierte (2:3/ 4.). Wolfgang Strobel und Sascha Ilitsch sorgten zwar für den zwischenzeitlichen Ausgleich (4:4/ 7.), doch der Neuling war in den Anfangsminuten einfach präsenter. Einziges Manko: die Chancenauswertung. Dennoch blieb es auch weiterhin ein Duell auf Augenhöhe, mit leichten Vorteil für die Gastgeber, welche sich sehr schwer taten gegen engagierte und taktisch kluge Hüttenberger, welche die Wilke-Führung (6:5/ 12.) in Unterzahl konterten.

Unermüdlich dirigierte Brack an der Seitenlinie – und langsam zeigten die Anweisungen des Sportwissenschaftlers Wirkung. Junioren-Weltmeister Felix König netzte zwar zum 10:8 ein (18.), doch die Mittelhessen blieben weiter dran. Benjamin Herth und Kai Häfner stellten den alten Zwei-Tore-Abstand (12:10/ 23.) wieder her – wirklich überzeugend war der Auftritt der Balinger jedoch nicht. Im Gegenteil: Sie wirkten fahrig und nervös. Stefan Lex brachte Hüttenberg wieder heran (13:12/ 26.), ehe Wilke per Siebenmeter den 14. Balinger Treffer drauf packte. Unbeeindruckt davon verkürzte Billek und TVH-Coach Jan Gorr zückte 40 Sekunden vor der Pause die Grüne Karte. Die einminütige Ansprache zeigte Wirkung. Exzellent auf Linksaußen freigespielt, egalisierte Andreas Lex (14:14). Sein Gegenüber riskierte alles – und nahm den Torhüter heraus. Ohne Erfolg: In vier Sekunden war für Balingen-Weilstetten nichts mehr drin.

Auch nach dem Seitenwechsel setzte sich zunächst keine der beiden Mannschaften entscheidend ab: Andreas Scholz traf aus neun Metern zum 15:14 – und Florian Laudt sorgte für den ersten Zwei-Tore-Vorteil der Gäste (14:16/ 33.). Den konterte der HBW mit einem 3:0-Lauf zum 17:16, doch der Branchenneuling ließ sich nicht abschütteln (19:19/ 39.). Jetzt waren Nerven gefragt – und die hatten die Schwaben nicht. Sukzessive baute Hüttenberg seinen Vorsprung auf 24:21 aus (46.). In Unterzahl verkürzte Herth per Siebenmeter (22:24/ 47.), doch der HBW fand keine Einstellung zum Spiel und zum Gegner, der clever verteidigte und im Angriff einfach weniger Fehler machte. Brack ließ kräftig auf der Platte rotieren, doch die Umstellungen griffen nicht. Der 58-Jährige reagierte und bat seine Truppe zur Extrabesprechung an die Seitenlinie (55.). Vergebens: Hüttenberg verteidigte seinen Vor-sprung ganz routiniert und die Befürchtungen von Brack wurden am Ende wahr.

In der Schlussphase drückte TVH-Linksaußen Michael Stock dem Spiel seinen Stempel auf. Immer wieder drängte er in die Mitte und ließ Matthias Puhle im HBW-Gehäuse alt aussehen. „Am Ende haben wir die Tore gegen die Balinger Abwehr klasse herausgespielt und sind auch in der Abwehr gut gestanden“ bejubelte er den ersten Auswärtssieg seines Teams.

Ziemlich geknickt wirkte verständlicherweise HBW-Mannschaftskapitän Wolfgang Strobel: „Wir haben heute ein wichtiges Heimspiel verloren und uns unsere gute Ausgangsposition nehmen lassen.“ Die Gäste hätten sehr effektiv agiert, hätten vor allem ihre Angriffe diszipliniert und lange ausgespielt. „Eigentlich wollten wir die Hüttenberger gegen unsere Abwehr anrennen lassen, aber genau das Gegenteil ist passiert.“ Dennis Wilke ging sogar noch einen Schritt weiter und sprach davon, „dass uns der Gegner sein Spiel aufs Auge gedrückt“ habe. Außerdem seien zu wenig klare Chancen herausgespielt und zu viele Bälle leichtfertig verworfen worden. „Wir haben den Gegner garantiert nicht unterschätzt. Er hat uns auf dem falschen Fuß erwischt.“ Jetzt gelte es die Niederlage aufzuarbeiten und am Mittwoch mit neuem Elan in die Partie gegen Magdeburg zu gehen.


HBW Balingen-Weilstetten – TV Hüttenberg: Teams & Tore

HBW Balingen-Weilstetten: Puhle (1. – 60., 28 Gegentore/ 14 Paraden), Bar (n. e.); Herth (7/2), Alvanos (4), Ilitsch (3), Wilke (3/2), König (2), W. Strobel (2), Gutbrod (2), Ettwein (2), Häfner (1), Schlinger (1), Wessig, Bürkle.

TV Hüttenberg: Putera (1. – 60., 25 Gegentore/ 16 Paraden), Ritschel (bei zwei Siebenmetern, 2/ 0); T. Schneider (8/4), Stock (5), Billek (4), Laudt (3), Scholz (2), S. Lex (2), S. Weber (2), A. Lex (1), Gerlich (1), Pausch, Ludwig.

Schiedsrichter: Schaller/Wutzler (Leipzig/Frankenberg).

Zuschauer: 2200.

Spielfilm: 2:3 (4.), 3:4, 5:4, 8:6 (13.), 10:8, 10:10, 13:11 (25.), 14:14 –14:16 (33.), 16:16, 19:17, 20:21 (43.), 21:24, 24:26, 25:28 (56.), 27:28.

Zeitstrafen: 10:10 Minuten (Ettwein/ 2, Wessig, Ilitsch, Wilke – Pausch/ 2, Laudt, T. Schneider, A. Lex).

Siebenmeter: 4/4:4/4.

Nächstes Spiel: HBW Balingen-Weilstetten – SC Magdeburg (Mittwoch, 19.45 Uhr, SparkassenArena Balingen)

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