Schwäbisches Selbstvertrauen

Handball-Bundesliga: Auswärtssieg in Hildesheim macht Lust auf mehr (Punkte)

Balingen, 07.12.2011 von Marcus Arndt

Anzeige
Nur drei Tage nach dem Sieg bei Schlusslicht Eintracht Hildesheim ist der Balinger Handball-Bundesligist heute Abend erneut auswärts gefordert: beim kriselnden Altmeister VfL Gummersbach.

Die Vorzeichen vor dem heutigen Duell zwischen dem früheren Rekordmeister Gummersbach und dem HBW könnten unterschiedlicher nicht sein: Während sich die Oberbergischen nach der Derby-Niederlage gegen Aufsteiger Bergischer HC von Trainer Sead Hasanefendic getrennt haben, verlängerten die Schwaben vorzeitig mit Coach Dr. Rolf Brack (wir berichteten) um zwei weitere Jahre. Genau zur richtigen Zeit, nach dem 25:24-Zittersieg über N-Lübbecke ließ der Aufsteiger von 2006 den ersten Auswärtserfolg folgen. In Hildesheim setzte sich das Team um Kapitän Wolfgang Strobel mit 26:24 durch. In einer hochbrisanten Begegnung drehten die Balinger mit toller Moral einen 12:17-Rückstand (37. Minute).

Die Schuldigen machen die aufgebrachten Zuschauer rasch aus: die Schiedsrichter Nils Blümel und Jörg Loppaschewski. Einige strittige Entscheidungen gingen ohne Zweifel auf ihr Konto. Als dann nach Abpfiff die Niederlage der Niedersachsen besiegelt war, kassierte das Duo ein Pfeifkonzert und lautstarke Unmutsäußerungen. „Schieber, Schieber“, dröhnte es durch die Arena. Einige wenige Fans beließen es nicht dabei – sie rasteten völlig aus. Gegenstände – en gros Plastikflaschen und Hallenhefte – flogen aufs Spielfeld in Richtung der Unparteiischen. Offensichtlich wurde einer der beiden von einer leeren Plastikflasche getroffen. Der Vorfall landete im Spielberichtsbogen und dürfte für die Hildesheimer Konsequenzen haben. Eintracht-Manager Gerald Oberbeck war vollkommen bedient. Zum einen wegen der unglücklichen Niederlage seines Teams – zum anderen wegen der Tumulte: „Seit 30 Jahren ist bei uns in Hildesheim noch nie irgendjemand beworfen worden. Wir müssen jetzt den Werfer ausfindig machen. Es drohen empfindliche Strafen gegen uns. So etwas darf einfach nicht passieren.“

Oberbeck ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass die Schuld selten bei den Schiedsrichtern liegt. „Die Spieler haben sich lange hervorragend verkauft. Wer mit fünf Toren führt, dann aber von der 41. bis zur 50. Minute keinen einzigen Treffer wirft, verliert so ein Spiel“, bilanzierte der 55-Jährige, welcher einen überragenden Keeper Dennis Klockmann sah (Fangquote: 50 Prozent). Doch der Eintracht-Hüne konnte die knappe Niederlage gegen den Tabellenelften nicht verhindern. Der egalisierte (18:18/ 49.) und hatte in den Schlussminuten einfach die besseren Nerven und mehr Erfahrung. Die spielte der HBW konsequent aus, obwohl nicht nur Frank Ettwein permanent ausgepfiffen wurde. Die körperbetonte Gangart des 34-Jährigen behagte den Niedersachsen überhaupt nicht. „Handball ist eben ein Sport Mann gegen Mann. Wenn man das nicht mehr darf, kommen die Zuschauer demnächst nicht mehr zu uns und gehen zum Basketball“, verteidigte HBW-Trainer seinen Defensivspezialisten. Nur zu genau weiß Brack, dass auch heute Abend Kämpferqualitäten gefordert sind, wenn es gegen den Tabellen-16. Gummersbach geht (20.15 Uhr, Eugen-Haas-Sporthalle).

„Wenn man gegen drei direkte Konkurrenten um den Klassenerhalt in Folge (Hildesheim, Gummersbach, Hüttenberg, d. Red.) spielt und eine Woche lang unterwegs ist, gibt man sich mit einem Sieg sicher nicht zufrieden. Wir haben die Chance, auch in der Eugen-Haas-Halle etwas zu reißen“, betonte HBW-Kapitän Wolfgang Strobel. Das Ziel seines Trainers: 6:0 Punkte wären stark, mit 4:2 sei er zufrieden. Eine Bilanz von 2:4 oder 0:6 würde seine Mannschaft aber wieder dick in den Kampf um den Klassenerhalt eintreten lassen, so Strobel weiter. Zur Vorbereitung auf das Spiel bei Gummersbach bezog Balingen-Weilstetten in der Sportschule Kaiserau Quartier. „Wir werden dort unsere Wunden pflegen“, verriet Brack. Angeschlagen sind nach dem Spiel in Hildesheim Dennis Wilke (Pferdekuss), Frank Ettwein (Rippenprellung) und Sascha Ilitsch (Schmerzen im Fuß).

Währenddessen hofft der VfL unter Interimstrainer Emir Kurtagic auf die Trendwende nach nur sieben Punkten aus 13 Spielen. Doch der 31-jährige Kroate stapelte nach den jüngsten Niederlagen tief: „Es wäre vermessen, sechs Punkte bis Ende des Monats zu fordern. Zuerst einmal müssen wir ein gutes Spiel gegen Balingen machten, uns danach auf das Duell mit den Löwen konzentrieren. Das heißt, von Spiel zu Spiel denken. . .“

„Wir haben eine große Auswahl an taktischen Möglichkeiten“

Die Hürde Hildesheim hat der HBW genommen: Bei der Eintracht gelang den Schwaben der erste Auswärtssieg in der laufenden Saison. Mit 26:24 setzten sich die Balinger beim Tabellenletzten durch. Die Niedersachsen hingegen warten seit dem sechsten Spieltag (30:26 gegen Frisch Auf Göppingen, d. Red.) auf ein Erfolgserlebnis.

Die Gesetze der Branche greifen – gnadenlos. Das musste auch ein verdienter Trainer wie Sead Hasanefendic erfahren. Dem Kroaten, der den früheren Rekordmeister in den vergangenen drei Jahren im Europapokal zu drei Titeln führte, wurde „im oberbergischen Winter der Stuhl vor die Tür gesetzt“, wie es die Handball-Woche formuliert.

Nachfolger beim taumelnden Riesen wird bis zum Saisonende Emir Kurtagic. „Ich werde den Handball nicht neu erfinden“, sagte der 31-jährige Kroate vor dem Duell mit dem HBW. Er ergänzte: „Wir haben eine große Auswahl an taktischen Möglichkeiten. Aus diesem Fundus werden wir uns bedienen, um die Balinger zu schlagen.

HBW News auf´s Handy

Fußball

Anzeige

Der ZAK bei Facebook