Zeitlos faszinierender Reiz
Sopranistin Manami Hama brilliert in Puccinis „Madame Butterfly“
Balingen, 29.11.2011 von Hannelore Kaiser
Um es vorweg zu nehmen, am Ende gab es euphorischen Beifall und stehende Ovationen. Ovationen, die voran der dominierenden Sopranistin Manami Hama galten. Mit ihrer voluminösen, alle Gefühlsnuancen beherrschenden Sopranstimme, gepaart mit ebenso ausdrucksstarker schauspielerischer Leistung wurde die Asiatin in der Rolle der „Butterfly“ zum gefeierten Star dieses Abends. Und ebenso sichtbar gefühlvoll dankte die von Beifall verwöhnte Künstlerin unter Tränen für die Huldigungen des Balinger Publikums.
Mit seinem brillantem Tenor war Vincenzo Maria Sarinelli in der Rolle des amerikanischen Marineoffiziers Pinkerton stimmlich ein ebenbürtiger Partner zu Manami Hama. In der Ausstrahlung allerdings zu distanziert und glanzlos. Überzeugender da schon Hye Youn Park (Mezzosopran) in der Rolle von Butterflys mitfühlender Dienerin Suzuki und Samyeul Cho (Tenor) als listig-smarter Heiratsvermittler Goro. Verdienter Beifall auch für die Puccini-Klänge aus dem Orchestergraben unter Leitung von Talmás Bolberitz, für die Beiträge des Chores der Compagnia d’Opera Italiana und für die Inszenierung und Tourneeleitung von Corinna Biskovsky.
Die 1904 in der Mailänder Scala uraufgeführte Oper von Giacomo Puccini „Madame Butterfly“ ist heute noch auf den Spielplänen aller Opernbühnen zu finden. Weniger wegen ihrer aus Gegenwartssicht geradezu widersinnig erscheinenden Handlung, die um die tragisch endenden Liebe der japanischen Geisha Cio-Cio-San, genannt Butterfly, zu dem amerikanischen Marineoffizier F.B Pinkerton Ende des zwanzigsten Jahrhunderts in Nagasaki rankt. Doch Puccinis bravouröse Melodienfülle verleiht dem Werk heute noch einen zeitlos faszinierenden Reiz. Dies umso mehr wenn es, wie am Samstag auf der Balinger Bühne geschehen, die japanischen Solopartien von asiatischen Sängern gemimt und gesungen werden, dazu in Italienisch, dem Originalton des Librettos von Luigi Illica und Giuseppe Giacosa. Zum besseren Verständnis allerdings gab’s die deutsche Übersetzung, dezent eingeblendet auf seitlich der Bühne postierten Leinwänden ohne das ohnehin farb- und schmucklose Bühnenbild zu beeinträchtigen.
