Ganz ruhig und auffallend fair
Hechingen wählt: Zwei Frauen und drei Männer wollen neuer Chef im Rathaus werden
Hechingen, 08.10.2011
Paul Bindereif, Norbert Roth, Jürgen Weber. Das sind die drei Männer, die seit 1948 die Regie im Gebäude Marktplatz 1 geführt haben. Die Reihe kann nun auch von einer Frau fortgeführt werden, immerhin sind zwei der fünf Bewerber um den Chefposten im Rathaus weiblichen Geschlechts. Und einer von ihnen werden große Chance eingeräumt, weil sie schon Bürgermeisterin ist.
Der Hechinger Wahlkampf ist ganz offenkundig ein auffallend fairer gewesen. Das Kandidaten-Quintett, das angesichts des Wannweiler Dauerbewerbers von Rechtsaußen eigentlich ein Quartett ist, hatte zuletzt am Donnerstagnachmittag ein gemeinsames Zusammentreffen im Fürstengarten. Der Arbeitskreis Ökologie des Bürgerforums und die Freunde des Fürstengartens hatten ein Fass aufgemacht, in dem sich einige der heißen Eisen Hechingens finden: Die Orangerie droht gänzlich zu vergammeln, die Fürstenwiese soll zum Parkplatz werden. Der Überlinger Landschaftsarchitekt Johann Senner brachte in dieser Runde die Umgestaltung des Obertorplatzes mit integrierter Tiefgarage zur Sprache. Die vier teilnehmenden Bewerber haben sich aber zu keinen Stellungnahmen hinreißen lassen.
Das Interesse der Öffentlichkeit an diesem Termin hat sich allem Anschein nach in Grenzen gehalten. Das freilich muss überhaupt nichts heißen. Bei der Podiumsdiskussion der IHK Reutlingen quoll das „Museum“ vor Besuchern ebenso über wie bei der Kandidatenvorstellung der Stadt. Und auch bei der Fragerunde des Grünen-Kreisverbands Zollernalb am vorigen Sonntag war der Konstantinsaal der Stadthalle ebenfalls sehr gut gefüllt.
Amtsinhaber Jürgen Weber geht derweil schon auf Abschiedstour. Nach seinem Adieu vom Hechinger Rathaus, das für den 14. Dezember im Kalender steht, will er sich ebenso vom Fraktionsvorsitz der Freien Wähler im Kreistag und den allermeisten weiteren Ämtern und Posten verabschieden.
Einzig dem Sozialwerk Hechingen und Umgebung will Weber auch weiterhin vorstehen. Seinen Wechsel in die freie Wirtschaft, der ausdrücklich und für etliche Stadträte befremdlich in der Stellenausschreibung für den Hechinger Bürgermeisterposten vermerkt worden ist, scheint der 52-Jährige allerdings noch nicht in die Tat umgesetzt zu haben. So wollen es zumindest Eingeweihte wissen. Weber selbst hält sich in dieser Sache absolut bedeckt.
Abschied gefeiert hat der Scheidende jetzt im sogenannten OB-Sprengel des Städtetags für den Regierungsbezirk Tübingen. Die Runde der Vertreter der Großen Kreisstädte und Verwaltungsgemeinschaftskommunen, wie Hechingen eine ist, hat ihre turnusmäßige Arbeitstagung bewusst an den Zoller gelegt.
„Da Kollege Weber nach langjähriger erfolgreicher Tätigkeit jetzt aus seinem Amt scheidet, war es mir wichtig, unsere Herbstsitzung im Hechinger Rathaus abzuhalten“, lässt sich Wangens Oberbürgermeister Michael Lang als Sprengelvorsitzender zitieren.
Der Hechinger Gemeindewahlausschuss hat am Montag, 10. Oktober, um 18.30 Uhr Sitzung im Ratssaal, um das Ergebnis der Bürgermeisterwahl offiziell festzustellen.
Sollte ein zweiter Wahlgang notwendig werden, folgt am Mittwoch, 12. Oktober, gleich die nächste Sitzung. Dann müssen die Bewerbungen für den 23. Oktober geprüft werden.
Entscheidung im ersten Wahlgang wäre ein Knaller
Ziemlich exakt 14 350 Wähler können am Sonntag darüber entscheiden, wer in den nächsten acht Jahren das Hechinger Stadtoberhaupt sein wird. Dass bis zum gestrigen Freitag bereits annähernd 1000 Briefwähler registriert worden sind, deutet auf eine löbliche Wahlbeteiligung hin.
Mit dem Ergebnis der Abstimmung rechnet man am Sonntagabend gegen 19 Uhr. Wenn bereits am Sonntag die Weber-Nachfolge geklärt sein sollte, dann wäre das ein richtiger Knaller. Denn bislang geht man angesichts der Bewerberkonstellation allgemein davon aus, dass sich niemand so weit von der Konkurrenz abheben dürfte.
Wenn diese Vermutung zutrifft, folgt zwei Wochen später, also am 23. Oktober, ein zweiter Wahlgang.
Beim zweiten Votum genügt die einfach Mehrheit.
