Doppeltriumph für Malek
Ladies Open: Nummer eins aus Bad Saulgau besiegt Fluch der Setzliste
Hechingen, 08.08.2011 von Michael Schneider
Tatjana Malek, die heute ihren 24. Geburtstag feiert, machte mit ihrem gestrigen Triumph das Unmögliche möglich. Zuvor war es noch keiner topgesetzten Spielerin gelungen, die Ladies Open zu gewinnen. Dann kam Malek. Die Bad Saulgauerin gewann nicht nur zum zweiten Mal nach 2006 das Hechinger Turnier, sondern brach gleichzeitig den Fluch der Setzliste.
„Über die Woche hinweg hat mich das überhaupt nicht interessiert. Jetzt finde ich es megacool“, lachte die 24-Jährige nach dem Finalsieg, der sie auf dem Weg zurück in die Top-100 der WTA-Weltrangliste ein gutes Stück nach vorne bringt. Gegen Sarah Gronert hatte Malek im Endspiel gestern kaum Probleme. Ihr erstes Aufschlagspiel gewann sie zu null, beim 3:1 gelang ihr das erste Break. Gronert fehlte stets die Länge in ihren Schlägen, zudem leistete sich die 25-Jährige aus Linnich zu viele einfache Fehler. Malek spielte hoch konzentriert und kompromisslos, nutzte ihre Chancen konsequent und verwandelte nach gut 20 Minuten den ersten Satzball zum 6:3.
Im zweiten Durchgang setzte sie ihre Dominanz fort. Bereits im ersten Spiel schnappte sie sich das Break zum 1:0, spannend wurde es anschließend nur beim Stand von 3:2 im sechsten Spiel. Gronert boten sich zwei Breakbälle, drei Mal ging es über Einstand. Malek gewann das Spiel, hielt das Break und verwandelte ihren zweiten Matchball zum 6:3 und 6:4-Finalerfolg.
Vor dem Endspiel standen für Malek und Gronert die Halbfinals auf dem Programm. Während Gronert im deutschen Duell mit Carina Witthöft keine Probleme hatte und locker mit 6:1, 6:1 gewann, bot Maleks Duell mit der Kolumbianerin Catalina Castano Spannung pur. Zwar gewann Castano den ersten Satz mit drei Breaks überraschend mit 6:1, stellvertretend für die dennoch enge Partie stand aber das sechste Spiel.
Die Kolumbianerin führte 4:1, drei Mal ging es über Einstand. Castano leistete sich weniger Fehler als Malek – und hatte auch das Glück auf ihrer Seite. Die Deutsche scheiterte mehrmals an der Netzkante, Castano gewann genau diese als freudige Mitspielerin. Im zweiten Durchgang lag Malek nach nicht einmal zehn Minuten mit 0:3 zurück, zeigte im Anschluss aber Moral. Die Saulgauerin brachte zunächst ihr eigenes Aufschlagspiel zum 1:3 durch, im nächsten Spiel schaukelten sich die beiden letzten verbliebenen Spielerinnen der Setzliste zu Höchstform auf: Beim 40:40 sahen die Zuschauer den besten Ballwechsel der Partie. Longline, Cross-Court, Stopp, Lop – Castano und Malek schickten sich mit sehenswerten Sandplatztennis bei hohem Tempo über das gesamte Feld.
Die Deutsche schnappte sich den Punkt, das Spiel und glich kurze Zeit später zum 3:3 aus. Überhaupt war der zweite Satz wohl das Beste, was die 14. Ladies Open zu bieten hatten. Beide Spielerinnen lieferten sich lange, reihenweise über einminütige Grundlinienduelle, Malek und Castano schmissen in einer nervenaufreibenden Partie alles in die Waagschale.
Beim 5:4 hatte Malek ihren ersten Satzball, setzte diesen aber ins Netz. Der Tiebreak musste her, hier behielt die Saulgauerin mit 7:1 die Oberhand. Auch im dritten Satz blieb die Begegnung enorm eng, die stärkeren Nerven bewies Malek. Nach fast drei Stunden verwandelte sie ihren Matchball zum 1:6, 7:6 und 6:4-Triumph.
Im Doppel-Finale hatte Malek mit ihrer österreichischen Partnerin Sandra Klemenschits ebenfalls Grund zur Freude. Gegen Korina Perkovic/Laura Siegemund gewannen Malek/Klemenschits 4:6, 6:2 und 10:7.
Keine Experimente: Gerhard Frommer setzt auf Konstanz
6:2 für die Sonne. Die 14. Ladies Open blieben größtenteils von Regenwetter verschont, Änderungen im Spielplan waren die Ausnahme. Am Freitag musste das Viertelfinale zwischen Tatjana Malek und Mariana Duque-Marino beim Stande von 6:2, 4:4 und 40:40 wegen Regens abgebrochen und auf Samstagvormittag verschoben werden. Das gestrige Finale begann aus selbem Grund mit einer viertelstündigen Verspätung, um den Platz zuvor adäquat präparieren zu können.
Der Hechinger Tennis-Klassikerbleibt auch künftig in der Kategorie der 25 000 Dollar-Turniere. „Der Aufstieg in die 50 000er macht keinen Sinn“, sagt Cheforganisator Gerhard Frommer: „Das Teilnehmerfeld würde dadurch kaum besser.“ Frommer legt seinen Fokus lieber auf Konstanz: „Wir wollen unser Niveau halten. Von den Spielerinnen werden wir Jahr für Jahr für unsere Organisation gelobt. Das soll so bleiben. Experimente wird es nicht geben.
