Wenn das Chrom blitzt und funkelt
Im Porträt: Walter Horn und seine Liebe zu allem, was fährt – Eine Garage voller Ersatzteile
Nusplingen, 13.07.2011 von Katja Weiger-Schick
Der 60-Jährige ist das, was man liebevoll einen „Schrauber“ nennt. Seine Freizeit verbringt Horn gern in seiner Garage – außer einem historischen Lanz-Traktor und einem Eicher-Weinbergschlepper nennt er einen MG aus der B-Modellreihe sein Eigen. Zu tun, sagt Horn lachend und wischt sich die öligen Hände an einem Lappen sauber, habe er eigentlich immer etwas. Klar, seine Schätzchen sind, ohne diesen nahe treten zu wollen, ja auch schon ein bisschen betagt.
Der MG ist dieses Jahr ins Schwabenalter gekommen und ziemlich genau 40 Jahre alt, der „Lanz“ mit Baujahr 1945 sogar noch ein paar Jahrzehnte älter. Als richtiger Jungspund kommt im Direktvergleich der Eicher-Schlepper daher: Er hat „nur“ 33 Jahre auf seinem Buckel. Technik, Funktion, Optik – Walter Horn findet alles, was mit Fahrzeug & Co zu tun hat, höchst faszinierend.
Egal, ob der MG schicke Sprossenfelgen bekommt oder der Lanz für ein Schleppertreffen auf Hochglanz poliert wird: Wenn das Chrom blitzt und funkelt, ist der Nusplinger in seinem Element. Gern gibt er anderen „Schraubern“ Tipps – egal ob einen Kniff für einen noch besseren Glanz oder bei der Wahl des richtigen Reinigungsmittels für die Klassiker-Schätzchen. „Ich habe auch immer wieder Leute getroffen, die mir weitergeholfen haben“, sagt Walter Horn, während er vorsichtig den feuerroten Lack des MG behandelt, „da muss man nicht egoistisch sein.“
Egoistisch – das ist der 60-Jährige sicher nicht. Seit vielen Jahren ist er Vorsitzender des örtlichen VdK-Ortsverbands. Selbstverständlich war Horn auch der sprichwörtliche „Motor“, als der VdK in den vergangenen Jahren höchst erfolgreich zwei Oldtimertreffen organisierte. Horn denkt gern an diese Veranstaltungen zurück: Knapp je 200 Fahrzeuge, tolle Stimmung – was will man mehr? Mit ein paar Kameraden fährt Walter Horn selbst gern zu Traktortreffen auswärts: „Das ist für mich immer wie auf einem Familientreffen.“ Auf Oldtimerpräsentationen sind er und seine Frau Marianne gern mit dem MG anzutreffen: „Wir fahren auch schon mal nach Österreich und in die Schweiz. Es gibt einfach ein paar Veranstaltungen, die sind in der Szene geradezu ein Muss.“
Beide Fahrzeuge, daran erinnert sich der Nusplinger Oldtimerfan bildhaft, waren freilich nicht immer in diesem guten Zustand. Sowohl den „Lanz“ als auch den MG hat der Nusplinger komplett auseinander gebaut und wieder zusammen gesetzt.
Den „Lanz“ hat Horn vor knapp 20 Jahren gekauft, den MG kurz darauf. „Angesichts einer Garage voller Ersatzteile und einem regelrechten Autopuzzle frage ich mich manchmal schon, warum in aller Welt man sich so etwas antut“, sagt der Nusplinger verschmitzt. Aber am nächsten Tag sei der kleine Frustanfall weg und die Faszination wieder da: „Da kann ich einfach nicht aus meiner Haut.“
