Weltklasse – trotz erschwerter Bedingungen

Schießen: Yvonne Schlotterbeck holt erste internationale Medaille – EM das nächste Ziel

Bisingen, 11.04.2011 von Helen Weible

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Sie ist erst 18 Jahre und trägt schon einen Vize-Weltmeistertitel: Die Sportschützin Yvonne Schlotterbeck holte trotz erschwerter Trainingsbedingungen im Winter wieder eine internationale Medaille.

In geografischer Hinsicht hat Yvonne Schlotterbeck aus Thanheim nicht gerade die besten Voraussetzungen. Wenn im Winter in der Schießhalle trainiert wird, muss sie ein gutes Stück Fahrt auf sich nehmen. Die nächste Halle befindet sich nämlich erst in Betra bei Empfingen, sonst hat die Bisingerin kaum Ausweichmöglichkeiten hier in der Region. „Aber damit lässt es sich leben“, kommt die 18-Jährige offensichtlich mit den vorhandenen Tatsachen gut zurecht.

Auch mit suboptimaler Trainingspraxis schnitt sie jüngst hervorragend ab. Beim sechstägigen Auftaktschießen in Dortmund holte Schlotterbeck ihre erste internationale Medaille im Luftgewehr in der Einzelkonkurrenz in diesem Jahr. Mit der Silbermedaille um den Hals stand die Kaderschützin des Deutschen Schützenbundes neben der Russin Anna Zhukova, welche mit 398 Ringen nur einmal mehr traf, auf dem Podest. Dritte wurde Schlotterbecks Kollegin, Isabella Straub, mit 396 Ringen. Auch mit dem Kleinkaliber war in Dortmund etwas für Schlotterbeck drin. Auf ihren fünften Platz im Dreistellungskampf (liegend, stehend, kniend) ist sie stolz. Im 60-Meter liegend kam die 18-Jährige auf den 14. Platz – das sei die wünschenswerte Bilanz des Abschlusses einer Hallensaison.

Schlotterbeck, die im vergangenen Jahr Vize-Weltmeisterin im Luftgewehr bei den Olympischen Spielen der Jugend in Singapur geworden ist, freut sich schon auf den Sommer – und damit auf die Kleinkaliber-Saison. Im Mai gibt es die ersten internationalen Wettkämpfe in Hannover. Danach folgen schon die wichtigen Ausscheidungen für die EM. An mehreren Wochenenden ist die Thanheimerin für den SV Stetten/ Haigerloch bei den Kreis- und Bezirksmeisterschaften dabei.

Vier Mal pro Woche nimmt sie Kleinkaliber und auch Luftgewehr in die Hand und arbeitet an sich. Zum Kadertraining mit der deutschen Mannschaft trifft sich Schlotterbeck einmal im Monat. Im April folgt noch ein Trainingslager, bevor es dann ernst wird – ein enormer Zeitaufwand für die Schülerin des Hechinger Wirtschafts-Gymnasiums: „Ich fehle während der Wettkämpfe zum Teil mehrere Tage, da muss ich schauen, dass ich den Stoff nachhole.“ Bis zum Abitur nächstes Jahr sei es zwar noch etwas hin, aber auch die aktuellen Noten zählten ja mit ins Endzeugnis.

Um ihr Ziel, die Qualifikation zu den Europameisterschaften in Belgrad, zu erreichen, muss sie weiterhin den Spagat zwischen Schule und Leistungssport schaffen. Ihr Trainer Helmut Hoffmann sagt: „Die Quali wird nicht einfach werden. Ihre Konkurrentinnen legen ein hohes Niveau vor. Ich wünsche ihr aber sehr, dass sie es ins deutsche Team schafft. Das wäre schon ein großer Erfolg, auf den sie aufbauen kann.“

Den geläufigen Irrtum, Schießen sei gar kein „echter“ Sport, weist Schlotterbeck gekonnt zurück: „Ein Laie kann sich nur schlecht vorstellen, was genau zu tun ist. Beim Schießen benötige ich einiges an Disziplin, Konzentration und Körperbeherrschung.“ Ähnlich wie beim Klettern, konzentriere man sich nur auf die eine Sache: „Es macht mir auch deswegen sehr viel Spaß.“

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