Rocke sanft Mr. Blunt

Stuttgart, 23.03.2011 von Bernd Haase

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Respekt, Mister Blunt. So einen Sprint muss einer erst mal hinlegen, der noch eine mehr als 90-minütige Show vor sich hat: Der britische Songwriter James Blunt machte sein Gastspiel in der Stuttgarter Schleyerhalle jedenfalls von Anfang an zu einem Fest der Publikumsnähe.

Das Hallenlicht geht aus, der Spot an, aber der ist nicht auf die Bühne gerichtet, sondern auf das hintere Ende der Halle. Dort taucht der Sänger auf, klatscht die Hände seiner Fans ab, und eilt dann im Spurt, immer noch Hände abklatschend, durch die Stuhlreihen nach vorne auf die Bühne. Am Ende des Konzerts wiederholt er seine Einlage noch einmal. Die Kondition stimmt. Die Stimmung auch. Die 8500 Zuschauer scheinen in Ekstase zu brodeln am Ende des eineinhalbstündigen Konzerts.

Kein Wunder. Der Shootingstar des Jahres 2005 hat sich spätestens mit seinem dritten Album "Some Kind of Trouble" zu einer festen Größe im weltweiten Popgeschäft gemausert. Dabei ist der Album-Titel einerseits Programm, andererseits auch irreführend. Denn Blunt kündigt zwar nach den ersten drei Songs an, dass das durchweg etwas ältere Publikum sich gerne von Sitzplätzen erheben darf, schließlich solle es ja ein echtes Rockkonzert werden. Aber vorherrschend sind dann doch die sanften Töne. Natürlich, da ist dieser Mega-Hit, die sehnsüchtig-melancholische Ballade "You're Beautiful", seine erste Single, das noch balladeskere und nachdenklichere "High". Oder "Goodbye My Lover", solo am Piano vorgetragen, mit ganz viel Stimme, ganz viel Gefühl, der Höhepunkt.

Dazwischen groovt vieles im mittleren Pop-Tempo dahin, rockig wird es erst im zweiten Drittel mit "Turn Me On". Die Gitarre kreischt, James Blunt gibt alles ­ wie überhaupt das ganze Konzert über ­, aber irgendwie geht Rock'n' Roll dann doch anders. Manchmal wirkt es so, als kämpfe Blunt mit all der Kraft seiner Mimik, seiner Körperspannung, seiner Stimmkraft gegen das
Klischee vom sanften Schmusesänger an, um sich dann doch wieder in den hohen, sehnsüchtigen Stimmlagen seiner Balladen zu verfangen.

Was das Publikum kaum stört. Es bekommt schließlich einen James Blunt, wie es ihn aus den Hitparaden kennt. Und mehr noch: Es bekommt einen James Blunt, der über sich hinauswachsen will. Der den Pfad absteckt zu neuen Ufern, der nicht verharren will in dem, was ihn berühmt gegemacht hat. Der Weg ist eingeschlagen. Aber im Moment ist Blunt halt doch noch der nette Junge von nebenan, der einfach schöne Melodien schreiben kann.

Yes

Das war ein wirklich schönes Konzert, einzig dass gestuhlt war, hat nicht wirklich gepasst.

Mehr davon!
Katri am 25.03.2011 14:46:53
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