Internet lässt Grenzen verschwimmen
Eltern erkunden Neuland bei der „LAN-Party für Eltern“ über Computerspiele
Balingen, 31.01.2011 von Renate Deregowski
Sie und acht andere waren der Einladung der Kreisjugendpflege gefolgt und informierten sich auf der „LAN-Party für Eltern“ über Computerspiele. In Theorie und Praxis wurden sie an Simulationen, Rollenspiele oder sogenannte Shooter herangeführt.
„Ob es uns gelingt, Sie heute auf Augenhöhe mit ihren Kindern zu bringen, kann ich nicht versprechen“, begrüßte Kreisjugendpfleger Andelin Hotkowic die Anwesenden. Mit so wenig Resonanz habe er aber nicht gerechnet und sei enttäuscht, nachdem im Vorfeld stark an den Schulen und in den Elternbeiräten für die Veranstaltung geworben wurde. Über die Hälfte der 20 in Zusammenarbeit mit dem Kreismedienzentrum Albstadt bereitgestellten PCs sollte deshalb ungenutzt bleiben. Hotkowic sah trotzdem einen positiven Aspekt, denn dadurch sei eine intensive Betreuung durch die Experten möglich.
Referent Steffen Gresens, Sozialpädagoge und Mitarbeiter beim Projekt „Medien – aber sicher“ vom Landesmedienzentrum, übernahm die Einführung in die Theorie. Gresens stellte die These auf, dass Spielen in den nächsten Jahren für Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren zunehmend mobiler würde. Das Internet und die damit einhergehende ständige Verknüpfung mit anderen lassen die Grenzen von privat und öffentlich zunehmend verschwimmen. Auch Computerspiele seien hiervon betroffen. Kinder und Jugendliche, so Gresens, seien ständig auf der Suche nach Handlungsspielräumen, die ihnen durch die virtuellen Welten auch geboten werden. Gründe für das spielen von vermeintlich „bösen“ oder „gefährlichen“ Spielen seien unter anderem die Erfahrung von Erfolgerlebnissen, Machtausübung, Stressabbau oder etwa damit man einer bestimmten sozialen Gruppe angehöre. Eltern sollten dabei nicht aus Angst handeln und ihren Kindern den Umgang mit den virtuellen Schurken oder Helden verbieten, sondern vielmehr auf ihre Zöglinge eingehen und versuchen mit ihnen in einen Dialog zu kommen. Denn, so betonte der Sozialpädagoge, die Jugendlichen seien schon lange in den Spielen vernetzt, sei es per Chat oder Head-Set: „Gespielt wird schon lange nicht mehr alleine“.
Wie sich das anfühlt, konnten die Teilnehmer anschließend selbst ausprobieren. An den lokal vernetzten Computern gab es drei Genres, die gemeinsam getestet werden konnten: Einen Shooter, ein Renn- und ein Rollenspiel. Schnell fiel die Entscheidung auf das Rennspiel und die Teilnehmer traten gegeneinander auf dem virtuellen Asphalt an. „Wer ist Spieler 07 und hat mich eben überholt“, fragte eine der Fahrerinnen und lachte dabei herzlich.
Der Shooter sollte zeigen, dass man das Zocken am PC nicht mit realen Taten gleichsetzen sollte. In einem virtuellen Gebäude galt es, möglichst schnell die Gegner auszuschalten, was den Teilnehmern auch nach kurzer Eingewöhnung gelang. Hier setzte der Frust – bedingt durch den komplizierteren Aufbau – allerdings schneller ein und die Teilnehmer gönnten sich, um einige Erfahrungen reicher, eine Pause, um über ihre eben erhaltenen Eindrücke zu diskutieren, bevor es in einer zweiten Runde abermals auf das virtuelle Schlachtfeld ging.
