High-Tech gegen Schneemassen
Gestern wütete „Petra“: Räum- und Streudienstfahrer über die Schulter geschaut
Albstadt-Ebingen, 18.12.2010 von Jasmin Alber
Schneetief Petra kam – einige Stunden später als erwartet – in der Nacht zum Freitag und brachte etliche Zentimeter Neuschnee mit. Als andere gestern Morgen zur Arbeit oder in die Schule fuhren, war Frank Bücheler vom Ebinger Bauhof schon über drei Stunden mit seinem Räumfahrzeug im Kampf gegen die Schneemassen unterwegs.
Der 42-jährige Bauhofmitarbeiter bringt 16 Jahre Erfahrung im Winterdienst mit, doch auch er findet den diesjährigen Wintereinbruch heftig: „So früh hatten wir selten so viel Schnee“. In zentimetergenauer Maßarbeit zirkelt er den orangefarbenen Unimog mit der über zwei Meter breiten Schaufel auch durch enge Straßen, vorbei an parkenden Autos. Die Schaufel dirigiert er dem Straßenverlauf entsprechend nach links oder rechts.
Trotz der wuchtigen Erscheinung ist das Gefährt sehr wendig und Fahrer Bücheler behält von der Fahrerkabine aus den Überblick. Er freut sich über jeden Fahrer, der kurz wartet und sich nicht mit aller Gewalt vorbei zwängt, über jeden Schneeschipper, der ihm freundlich zunickt, statt mit der Schaufel zu drohen. „Ich schiebe ja niemandem absichtlich Schnee vor die Einfahrt, aber bei diesen Mengen ist es manchmal einfach nicht anders möglich“, sagt er. Wo es geht, stellt er die Schaufel so, dass der Schnee vor unbebauten Grundstücken und Wiesen angehäuft wird. Der Laie kommt sich im Führerhaus des 170 PS starken Räum- und Streufahrzeugs wie im Cockpit eines Jumbojets vor: Überall sind Knöpfe und Schalter, Displayanzeigen und Hebel. Nach und nach erklären sich die Funktionen. Dieser Hebel ist zum Ausrichten und Heben der Schaufel, mit jenem Knopf steuert er die Streusalzmenge aus den Behältern, die zweieinhalb Tonnen Salz und 1400 Liter Salzsole fassen. Das Fahrzeug sei sogar mit GPS ausgerüstet, so Bücheler, und das habe nichts mit einem herkömmlichen Navigationsgerät zu tun. „Durch die Dokumentation kann im Zweifelsfall immer nachgewiesen werden, welches Fahrzeug wann und wo gebahnt und gestreut hat oder welche Salzmenge verbraucht wurde.“
Dass die luftgefederten Sitze nicht nur den Komfort erhöhen, sondern auch die Bandscheiben schonen, merkt man spätestens, wenn Bücheler die „Straße aufräumt“, also übrigen Schnee von der Fahrbahn auf einen Sammelhaufen schiebt, der teilweise schon angefroren ist.
Nach zehn Stunden ist auch Frank Büchelers Schicht zu Ende. An einem Tag wie gestern seien 80 Kilometer Fahrtweg im Stadtgebiet und zwei Salzfüllungen pro Schicht und Fahrzeug keine Seltenheit. Die Alarmierung der Fahrer erfolgt individuell und wetterabhängig, gestaffelt in drei Stufen. Jetzt kann der nächste Schnee kommen. Frank Bücheler und seine Kollegen vom Bauhof stehen bereit.
