Mit Smartphone zum Essen
Samstag, 4. Februar 2012
von
Vor kurzem war ich in Stuttgart zusammen mit ein paar Freunden zum Essen verabredet. Eigentlich nichts Spektakuläres. Doch irgendwie habe ich im Eifer des Gefechts den Straßennamen des Restaurants falsch verstanden, denn nachdem ich das Taxi verlassen habe und mich umsah, konnte ich in der relativ dunklen Straße weit und breit kein Restaurant sehen. Nach einem kurzen Anruf bei meinen Bekannten war klar, dass ich einen Buchstaben verdreht habe und nun noch gute vier Blocks zu laufen habe. Klar hätte ich noch mal ein Taxi nehmen können, doch nachdem die erste Fahrt bereits zwölf Euro gekostet hatte, kam dann doch der Sparfuchs in mir hoch. Also entschloss ich mich, zu Fuß zu gehen. Irgendwie hat mich vor lauter Hektik dann auch noch mein Orientierungssinn verlassen. Doch Gott sei Dank bin auch ich mittlerweile Besitzer eines Smartphones. Auf dieses habe ich mir die exakte Adresse schicken lassen und schwups hatte ich eine Wegbeschreibung samt Kompass auf dem Display. Toll, was diese Geräte so alles leisten können dachte ich mir. Doch irgendwie bin ich mir doch etwas komisch vorgekommen, als mich mein Smartphone durch Stuttgarts Straßen navigierte. Ich sah das ganze mit Humor und weiß nun, dass ich mich jederzeit auf dieses Gerät verlassen kann. Denn Dank dem Smartphone kam ich nur etwa 20 Minuten zu spät zum verabredeten Essen.
Dämonen der Finsternis
Freitag, 3. Februar 2012
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Für uns Albstädter sind ganz neue Zeiten angebrochen. Seit voriger Nacht wird's von Eins bis halb Fünf zapfenduster. In jenen Straßen, die nicht gerade vor dem Tailfinger Rathaus oder direkt an den Hauptverkehrsadern liegen. Stadtverwaltung und Gemeinderat wollen es so. Sie haben den meisten Bürgern das Licht vor der Haustür ausgeknipst. Um Geld zu sparen. 46 000 Euro pro Jahr. Sagenhaft !
Ich habe mich in der Premierennacht aus dem warmen Bett gequält, um vom Balkon aus das Flair stockdunkler Straßenzüge auf mich wirken zu lassen und jene bedrückende Finsternis, die ältere Leute unweigerlich an Kriegszeiten erinnert.
Das lässt wahrlich schöne Aussichten erwarten. Für alle, die nachts oder in aller Herrgottsfrüh raus müssen, ob sie es wollen oder nicht: die Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW und DRK, die Frühschicht in Firmen, Verkehrsbetrieben und Krankenhäusern, die Dienstleister in den Backstuben, die Gemüsehändler, die Zeitungsausträger...
Es macht wirklich keinen Spaß, mit mulmigem Gefühl im Bauch aus dem Haus zu huschen und im Licht einer Taschenlampe den Weg zur Garage auszuleuchten. Mitten in einem tiefkalten Winter, der über Nacht Straßen und Zufahrten in schöner Regelmäßigkeit mit tückischer Glätte überzieht.
Sobald die Alb vom Eise befreit ist, werde ich auf Tour gehen. Nachts, wenn es dunkel ist. Um zu schauen, ob's auch in den Straßen unserer Stadtoberen und Stadträte stockfinster wird, während sie im Schlafe der Gerechten schlummern. Guten Gewissens. Wem hingegen Albstadts Geisterstunden Unbehagen bereiten, dem sei gesagt: Pfefferspray und Elektroschocker sind legale Mittel, um sich vor den Dämonen der Finsternis zu schützen.
Auto-Wahnsinn um 7.30 Uhr
Donnerstag, 2. Februar 2012
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„Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“ ist der poetische Titel eines Romans von Eric Malpass. Eine halbe Stunde später sieht die Welt dann aber schon ganz anders aus. Balingen, Gymnasiumsstraße, unmittelbar am Beginn des Schulzentrums Längenfeld. Inmitten des allmorgendlichen Wahnsinns steht ein kleiner Schüler einsam auf dem Gehweg und versucht verzweifelt, die Straße zu überqueren. Glücklicherweise wagt er keinen „Vorstoß“ in die Straße hinein, denn weit käme er nicht. Aus beiden Richtungen strömt die Blechlawine. Schüler für Schüler wird herangekarrt. Für die, die sich vor Ort auskennen, sei erwähnt, dass es mehr als genug Parkplätze direkt am dortigen großräumigen Buswartehäuschen gibt. Allein, sie werden nicht genutzt. Stoßstange an Stoßstange wird stattdessen die benachbarte Wendeplatte verstopft. Zeit ist Geld, die Kinder sind spät dran, die Arbeit ruft. Also: Heranbrausen, Tür auf, Kind raus, am besten direkt auf die viel befahrene Straße, Tür wieder zu, wegbrausen. Derweil steht der kleine Junge noch immer an der selben Stelle. Als ich sein Problem bemerke, will ich schon anhalten, ihm ein Zeichen geben, dass er nun die Straße queren kann. Im letzten Moment besinne ich mich eines Besseren, denn der Auto-Lindwurm in Gegenrichtung kommt schon wieder bedrohlich nahe. Ich hoffe, er hat es dann doch noch schadlos auf die andere Straßenseite geschafft. Sollte er etwas zu spät zum Unterricht gekommen sein, dann, liebe Lehrer, sehen Sie es ihm nach. Sein Warten am Straßenrand war vorbildlich.
Schnee-Raser
Mittwoch, 1. Februar 2012
von
Manchmal glaube ich, manch ein Auto- oder Lkw-Fahrer hat Kufen anstatt Räder an seinem Gefährt montiert. Wie sonst könnten sie auf schneeglatter Fahrbahn in einem Affentempo die Straße entlang brettern. In jedem Winter die gleichen Verkehrsnachrichten: „... wegen querstehender Lkws gesperrt...“ Kein Wunder. Ein Beispiel: Bei schneebedeckter Fahrbahn fuhr ich nachts auf der rechten Spur von Bisingen kommend die vierspurige B 27 hinab in Richtung Balingen. Der Gefahr bewusst, drosselte ich meine Geschwindigkeit auf Tempo 50. Mit deutlich mehr auf dem Tacho brauste plötzlich ein Laster rechts an mir vorbei. Müsste er jetzt auf etwas reagieren, hätte er wohl keine Chance, heil aus der Sache herauszukommen. So wurde die winterliche Lieferfahrt zum russischen Roulette. Ähnliches widerfuhr mir kürzlich auf dem Feldberg-Pass: Schneeglätte behinderte den Verkehr. Eine Kolonne langsamer Autos schlängelte sich den Pass hinauf – ich inklusive. Einem Audifahrer ging es wohl nicht schnell genug. Wohl mit Vierradantrieb scherte er aus, um die Kolonne auf der unübersichtlichen Straße zu überholen – ein Himmelfahrtskommando. Denn bei plötzlich auftauchendem Gegenverkehr hätte auch die modernste Technik versagt. Ich bin froh, dass ich über solche Unfälle bislang nur im Verkehrsfunk gehört habe. Denn oftmals sind es Unschuldige, die Opfer solcher rücksichtsloser Raser werden.
Tim Mahler am 01.02.2012 10:14:02Endlich Winter ...
... denkt sich der ein oder andere.
"Wer im Sommer an den Winter denkt, mit Sicherheit ´nen Quattro lenkt."
Nun sicherer sind die nicht wirklich ! Aufgepasst Ihr Mini-Röhrls !
Das also war des Bandes Schöpfer
Dienstag, 31. Januar 2012
von
Der arme Mörike! Jetzt steht er, wie so viele andere, eh schon im Schatten des großen Geistes aus Weimar, und dann mache ich ihm in meinem jüngsten Tagebuch auch noch sein schönes „blaues Band“ streitig. Mörike war selbstverständlich der Schöpfer des blauen Bandes, das der Frühling flattern lässt, und nicht Goethe.
Bei jedem Wettbewerb, in dem es darum ginge, wer die meisten Redewendungen in der deutschen Alltagssprache hinterlassen hat, würde eh Goethe gewinnen. Goethe war eben gut, wie einst Rudi Carrell sang. Von des „Pudels Kern“, über „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“, die „graue Theorie“, die „Gretchenfrage“ bis hin zu „...und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt“, stammt alles aus Goethes Feder. Auch das bekannte derbe Zitat des Götz von Berlichingen, das ich hier nicht wiedergeben möchte, wurde durch den manchmal gar nicht so zimperlichen Herrn Geheimrat populär.
Ebenso ersann er „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“, „Schlag auf Schlag“ und, im Bezug auf Schriftstücke, „Was man schwarz auf weiß besitzt...“. Und natürlich noch vieles mehr. Schwarz auf weiß war hier also jüngst zu lesen, dass Goethes Geist auch das blaue Band entsprungen sei. Was sogleich zahlreiche unserer Leser mit literarischer Bildung auf den Plan rief, die mir den Fauxpas liebevoll darlegten und baten, dem armen Herrn Mörike doch sein blaues Band zu lassen. Recht haben sie!
Da kann ich nur, diesmal offiziell, dankbar Mörike zitieren: „Getrost! Was krumm ward oft noch grad, oft über Nacht kam guter Rat“.
