Donnerstag, 19. April 2018 von Gudrun Stoll

Quoten im Alltagstest

W ie steht's um die Gleichberechtigung? Die Politik macht gerade eine Rolle rückwärts: Im neuen Bundestag ist der Frauenanteil so niedrig wie seit knapp 20 Jahren nicht mehr. Er liegt bei 30,9 Prozent. In Baden-Württemberg haben vor wenigen Tagen die CDU-Bezirksverbände ihre Kandidaten für die Europawahl 2019 aufgestellt. Die vier aussichtsreichsten Plätze der Landesliste besetzen Männer. Erst auf Platz fünf, der kein sicheres Mandat garantiert, folgt eine Frau . Wie es die anderen Parteien mit dem Fokus auf Frauen halten – wir werden es erfahren, sobald nominiert wird.

Eine verkehrte Welt begegnet uns im Alltag. Am Wochenende wurde in Bitz der Bewegungspass als kreisweites Pilotprojekt vorgestellt. Bei der Premiere glänzten die Frauen mit einer Quote von 100 Prozent. Lehrerinnen, Erzieherinnen und Übungsleiterinnen der Turnvereine haben sich weitergebildet, um Kindern die Freude an Sport und Bewegung zu vermitteln. Damit diese gesund aufwachsen. Doch wir benötigen auch Männer, die außerhalb der Familie mitmischen in der Erziehung. Vor allem Jungs brauchen männliche, zeitgemäße Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Wenn man so will, Förderväter. Die gesellschaftspolitische Aufgabe, den Mädchen bessere Chancen in Schule und Beruf zu verschaffen, ist längst in Angriff genommen. Sie schreiben bessere Schulnoten, machen häufiger Abitur und stoßen längst auch in Domänen vor, die vor Jahren noch ein Tabu waren. Mittlerweile 123 der insgesamt 691 Jungfeuerwehrleute im Zollernalbkreis sind weiblich. Im Nachbarkreis Sigmaringen liegt die Zahl bei 150 Mädchen und 550 Jungs.

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Mittwoch, 18. April 2018 von Volker Bitzer

Geht's denn nur ums Geld?

Heute zucken wieder die Blitze. Tausendfach, von Garmisch bis Wilhelmshaven. Nein, nicht das Wetter ist schuld, sondern die Polizei, die quasi Jagd auf Temposünder macht. Machen muss – auf Anordnung der Politik. Allerdings können die Autofahrer im Ländle aufatmen. Baden-Württemberg beteiligt sich nicht an dieser Show, wie Präsident Dr. Michael Haberland vom Automobilclub „Mobil in Deutschland“ den Blitzmarathon 2018 bezeichnet: „Radarkontrollen sind richtig und wichtig. Sie dürfen aber nur einem Ziel dienen, nämlich der Verkehrssicherheit.“ Dazu, so zeigten Auswertungen des Blitzatlas, trage diese bundesweite Aktion nicht bei. Also geht es …, klar um was sonst, … ums liebe Geld. Denn, so heißt es im Wortlaut in einer Pressemitteilung des Vereins: Geblitzt wird vor allem dort, wo nichts passiert; wo viel passiert, wird nicht geblitzt. Das stimmt nachdenklich.

Hatten Sie, werte Leser, nicht auch schon das Gefühl, dass es bei lokalen Radarfallen ähnlich ist. Vielfach lauern die mobilen Blitzer in der Stadt an Stellen, wo man sich wirklich fragen muss, welchen Sicherheitsaspekt das hier nur haben soll. Freilich wird hin und wieder vor Schulen und Kindergärten geblitzt, wo viele junge Menschen die Fahrbahn queren. Interessanterweise, so meine Beobachtungen, treten aber ausgerechnet viele Eltern, die ihren Nachwuchs abholen, oft sehr kräftig aufs Gaspedal. Klar, man muss ja flugs an den Mittagstisch kommen.

Es ist, wie es ist: Die Autofahrer sind zuverlässige Melkkühe der Nation. Auf mannigfache Weise.

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Samstag, 14. April 2018 von Holger Much

Ich bin ein Blumenwrack

Mit Jürgen von der Lippe hatte ich ja mal eine eher ernüchternde Begegnung. Was uns jedoch beide tief verbindet, ist die Tatsache, dass wir beide Blumenmänner sind. Wir „lieben Blum'“. Und zumindest für meine Person äußerte sich das jüngst so, dass ich vergangenes Wochenende, unwiderstehlich gelockt von Sonnenschein und Wärme, in den Garten stürmte um dort zwei Tage lang zu schnippeln und zu hacken, zu pflanzen und zu rechen.

Meine wochenendlichen Bemühungen zeitigten gleich zwei Ergebnisse. Zum einen macht mein Garten, zumindest für die Jahreszeit, einen bereits recht manierlichen Eindruck. Und zum anderen kann ich nun fast nicht mehr laufen. Alles tut weh, auch an Stellen, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie an meinem Körper gibt. Jede einzelne Muskelfaser brennt und sticht und ich muss einfach eingestehen, dass ich mich vom Blumenmann zum Blumenwrack gewandelt habe. Eine Runde Mitleid bitte.

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Freitag, 13. April 2018 von Benno Schlagenhauf

Wehe, es spoilert jemand

Für Comicfans fallen in diesem Monat Weihnachten, Ostern, Geburtstag und alle anderen Festtage zusammen. Denn am 26. April kommt Marvels Infinity War in die Kinos. Zehn Jahre nachdem mit der Comicverfilmung von Iron Man der Startschuss für den Siegeszug der Superheldenfilme und das Fundament für das Marvel-Universum gelegt wurde und nach mittlerweile knapp 20 weiteren Filmen, in denen neue Helden und Schurken vorgestellt wurden, werden nun alle Puzzle-teile in einem epischen Finale zusammengesetzt. Darin verteidigen alle Helden gemeinsam die Menschheit gegen eine übermächtige Bedrohung.

Kein Wunder also, dass der Streifen der am heißesten erwartete Film des Jahres ist (und höchstwahrscheinlich alle Zuschauerrekorde brechen wird).

Die Geheimhaltungsstufe ist enorm hoch. Es wurden Fake-Szenen gedreht, damit neugierige Paparazzi am Filmset und selbst die Darsteller keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Handlung ziehen können. Nur eine Handvoll Leute kennt das gesamte Drehbuch. Alles, um zu verhindern, dass die Kinogänger die Handlung schon vorab erfahren und der Filmgenuss dadurch verdorben – neudeutsch: gespoilert – wird.

Kürzlich widmeten sich sogar die Regisseure in einem Brief an die Fans mit der Bitte, ebenso vertraulich mit den Filminhalten umzugehen, wie es die Filmemacher getan haben.

Also: Wehe, jemand spoilert!

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Donnerstag, 12. April 2018 von Rosalinde Conzelmann

Es gibt viele Chicos

Ein Staffordshire Terrier tötet in Hannover seine beiden Halter. Das als Kampfhund gelistete Tier soll eingeschläfert werden. Ein massiver Proteststurm setzt ein. Über 200 000 Tierschützer protestieren im Netz, 70 gehen für Chico sogar auf die Straße. Sie sagen, er hat den Tod nicht verdient, weil er acht Jahre lang von seinen Haltern unter unmöglichen, nicht tiergerechten Bedingungen gehalten wurde und keiner eingegriffen hat. Die Bestie ist also der Mensch, so die Argumentation. Es ist erstaunlich, wie sehr das Schicksal dieses Hundes, der zwei Menschen getötet hat, die Menschen umtreibt und in zwei Lager teilt. Ebenso, mit welch harten Bandagen die Argumente (vor allem im Netz) ausgetauscht werden.

Chico darf leben, das steht nun fest, die Tierschützer jubeln. Ich bin ein Tierfreund und achte jede Kreatur; diese Entscheidung aber bereitet mir Bauchweh. Chico kommt in eine spezielle Unterkunft, quasi ein Heim für schwere Fälle. Was ist, wenn er wieder zubeißt? Eine Garantie gibt es nicht. Denn just, als die „gute“ Nachricht durch die Medien geht, erschüttert eine weitere tödliche Beißattacke Deutschland: Im hessischen Bad König greift der Familienhund den sieben Monate alten Sohn an. Das Baby stirbt. Es ist wohl auch ein Staffordshire-Mischling. Auch er ein Fall von vorheriger Misshandlung? Zweifel und viele Fragen bleiben offen.

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