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Kleinere Handwerksbetriebe trotzen der Krise

Handwerkskammer Reutlingen befragt rund 13 000 Betriebe zur aktuellen Wirtschaftslage

Zollernalbkreis, 15.02.2010

„Das Handwerk ist der stabilisierende Faktor in der Wirtschaftskrise,“ meint Dr. Joachim Eisert, Hauptgeschäftsführer der HandwerkskammerReutlingen. Die hat rund 13 000 Betriebe zu ihrer Lage befragt.

Die Handwerkskammer Reutlingen hatte nach einer ersten Umfrage im Frühjahr 2009 die rund 12 900 Betriebe in den Landkreisen Freudenstadt, Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und Zollernalb im Herbst 2009 erneut zur aktuellen Lage und den Auswirkungen der Wirtschaftskrise befragt. Die kleinen und mittleren Unternehmen, so Eisert weiter, die mit ihrer Produktion und ihrer Arbeitskraft im Land blieben, sorgten für die unverzichtbare ökonomische und gesellschaftliche Stabilität im Land.

Das Instrument „Kurzarbeit“ hatten trotz erleichterter Antragsmöglichkeiten lediglich 15 Prozent der Handwerksbetriebe in Anspruch genommen; fast 80 Prozent dieser Betriebe wiederum setzten Kurzarbeit im ersten Halbjahr 2009 ein, im zweiten Halbjahr reduzierte sich diese Zahl bereits auf 62 Prozent.

Auch bei der Frage „Spüren Sie bereits die Auswirkungen der Wirtschaftskrise?“ ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen: Antworteten bei der ersten Umfrage noch 63 Prozent der Betriebe mit „Ja“, so sind es jetzt noch 54 Prozent. Als Auswirkungen der Krise geben rund zwei Drittel der betroffenen Betriebe Auftragseinbrüche, Auftragsstornierungen (26 Prozent) und Forderungsausfälle (19 Prozent) an.

Die deutlichsten Veränderungen gab es im Bereich „Auftragsstorno“; diese Auswirkung wurde bei der zweiten Umfrage von 26 Prozent, bei der ersten Umfrage von 16 Prozent der betroffenen Betriebe angegeben.

Auch wenn sich die Situation im regionalen Handwerk im Durchschnitt stabilisiert hat – unterschlagen werden kann nicht, dass einzelne Gewerbegruppen die Auswirkungen der Wirtschaftskrise weiterhin stark spüren.

Das Handwerk für den gewerblichen Bedarf (also z. B. die Feinwerkmechaniker, Elektromaschinenbauer, Metallbauer oder Informationstechniker) hat auch im zweiten Halbjahr mit den größten Problemen zu kämpfen. Drei Viertel dieser Betriebe sind von der Krise betroffen, nicht zuletzt deshalb, weil die Zulieferbetriebe am stärksten von der Entwicklung der Exporte abhängig sind.

Am wenigsten betroffen sind die Ausbauhandwerker mit inzwischen nur noch 45 Prozent der Betriebe; die Maßnahmen der Konjunkturpakete wirken sich in diesem Bereich umfassend aus: Verbesserter Steuerbonus für Handwerkerleistungen sowie die Förderung der energetischen Gebäudesanierung federn die Auswirkungen der Krise vernehmlich ab.

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage ist, dass die größeren Handwerksbetriebe mit 51 und mehr Mitarbeitern am stärksten von der Krise betroffen sind: 69 Prozent (1. Umfrage: 74 Prozent) dieser Betriebe spüren die Auswirkungen der Krise, während der Anteil bei den kleineren Betrieben (ein bis fünf Mitarbeiter) bei 52 Prozent (1. Umfrage: 61 Prozent) liegt.

Die Finanzkrise wirkt sich weiterhin auf die Kreditvergabe aus: Etwa ein Drittel aller Betriebe antworten, dass sowohl der Zugang zu kurzfristigen Krediten als auch der Zugang zu Investitionskrediten in den vergangenen drei Monaten schwieriger geworden ist. Diese Finanzierungsengpässe könnten den beginnenden Aufschwung dämpfen, da eine unzureichende Betriebsmittelfinanzierung selbst solide Betriebe gefährden könnte.

Insgesamt haben sich 1 597 Betriebe – das sind rund 13 Prozent aller Betriebe im Kammerbezirk – an der zweiten Umfrage zu diesem Thema beteiligt. Bei der ersten Umfrage im April dieses Jahres waren es noch 16 Prozent; allerdings war die zweite Umfrage deutlich umfangreicher, da weitere Strukturdaten abgefragt wurden.